Ich hasse Tiere.
So, jetzt lassen Sie das ein bisschen auf sich wirken. Wollen Sie diesen Artikel wirklich weiterlesen? Wollen Sie dieses Blog überhaupt jemals wieder eines Blickes würdigen? Diese teuflische Ausgeburt an Web 2.0 Anti-Tier-Propaganda?
Keine Angst, ich mache es Ihnen leicht. Ich hasse Tiere nicht. Ganz im Gegenteil. Ich liebe Tiere. Wer denn nicht? Sie haben meist ein kuscheliges Fell, niedliche kleine Pratzen und können einem mit ihren großen Augen dirket in die Seele schauen. Vor allem diese putzigen, kleinen Kapuzineräffchen haben es mir angetan, die sie im Dresdner Zoo haben….Halt! Woher weiß ich das? Ich war doch noch nie in Dresden. Hm…
Das muss ich wohl in „Dresdner Schnauzen – Zoogeschichten aus Sachsen„ im ZDF-Nachmittagsprogramm aufgeschnappt haben. Oder war es doch auf VOX in „Wildes Kinderzimmer“? „Wolf, Bär & Co“ im HR oder „Menschen, Tiere und Doktoren“ sind eher unwahrscheinlich, da geht es nicht so exotisch zu. „Kater, Mops&Papagei“ im 3sat läuft nur einmal. Da freu ich mich aber schon ganz wild drauf, geht ja um ein Darmstädter Tierheim…Bliebe eigentlich nur noch „Seehund, Puma & Co“. Kann aber nicht sein, weil ich mir da immer „Auf und davon-Mein Auslandstagebuch“ auf VOX reinziehe (Goodbye Deutschland geht mir ziemlich ab).
Tja, ich glaube, ich kann es Ihnen nicht mehr verheimlichen. Heute rege ich mich mal ein bisschen über’s Fernsehen auf und schieße sogar noch ein wenig Gesellschaftskritik nach. Muss es denn wirklich sein, dass ich, wenn ich aus purer, asozialer Langweile meine Fernsehkarte aktiviere, nichts anderes zu sehen bekomme als wimmernde kleine Fellbüschel und Familien auf deutschen Flughäfen, die ihre verzogenen Gören nach Malaysia verabschieden?
Nicht genug, dass man den Dageblieben beim Dinner kochen, Wohnung kaufen, Haus/Garten/Garage/Kinderzimmer „verschönern“ oder der Ausübung ihrer hochspannenden Berufe (Polizist in St. Pauli, keiner möchte diesen Job, aber einer macht ihn: Bernhard W. aus Hamburg) zusehen muss, jetzt langweilen mich sogar deren zahnbespangte Sprösslinge im Ausland: „Ja, meine Gasteltern sind sooo nett. Leider habe ich noch keine Freunde gefunden, aber das geht in vier Monaten natürlich nicht so schnell. Anne und Mathew helfen mir da durch. Alles Super!“
Zurück zu den Tieren. Mit offenem Mund muss ich verfolgen, wie ein zwei Meter Hühne, mit Händen groß wie Brotlaibe, ein fünf Zentimeter kleines Äffchen mit einer Pipette füttert. „Der kleine Manolo wurde von seinen Eltern verstoßen. Aber das macht nichts, denn Ziehpapa Manfred kümmert sich rührend um den kleinen Fratz.“ Auf anderem Sender kratzt gerade Tierarzt F. einem Pony den Eiter-Huf aus. Schnell ein Schnitt auf das tränenverquollene Gesicht einer fünfjährigen Jungbäurin, die mit einem strahlenden Lächeln in die Kamera lispelt: „Ich bin sooo froh, dass der Dokotor Frank meine Lolita gerettet hat. Jetzt kann ich endlich wieder reiten!“
Da keimt in mir die Frage auf, ob man denn der lieben Lolita vielleicht nicht den Eiter aus dem Huf hätte kratzen müssen, wenn sie nicht ihr halbes Leben in einer Box voll mit ihrer eigenen Scheiße gestanden wäre? Aber solche Annahmen habe ich mir veterinärmedizinisch leider überhaupt nicht absegnen lassen. Auch stimmte mich der leise Zweifel nachdenklich, ob denn ein erwachsener Mann wirklich über einen Monat lang jede Nacht fünfmal austehen müsste, um dem Manolo seine vier Tropfen Milch zu geben, weil ihn seine Eltern verstoßen haben, wenn dieser nicht in einem sechs Kubikmeter großen Glaskäfig zur Welt gekommen wäre?
Ist aber auch egal. Wir lieben Tiere. Nicht wahr?
Original Zitat aus „Seehund, Puma & Co“, als Puma Mingo zum Fressen (oder war es Fortpflanzung?) in den Käfig geführt wird:
„Doch Darsteller Mingo fühlt sich nicht ganz Drehbuch“
Das ist nur die Spitze des Eisbergs, glauben Sie mir.








