Genickstarre

Beiträge vom Dezember 2007

Was hat sie vor?

Dezember 15, 2007 · 1 Kommentar

Als ich gerade nichts ahnend meine Blogstatistiken durchgelesen habe, ist mir wieder einmal ein ganz besonderer Suchbegriff ins Auge gesprungen: „Zyankalikapsel kaufen“.

Ich kann nur sagen: Tun Sie es nicht! Das ist das Schwein doch gar nicht wert…

Ach ja: Ich weiß nicht wer ihr seid, aber ich wusste, ihr würde kommen: Der tag Porno verschaffte mir heute viele internationale Visits und ich denke, er wird es auch weiterhin tun. Pornoblogger müsste man sein.

Kategorien: Die Googlebaren
Mit Tag(s) versehen: , , , ,

Alles rein im Stübchen?

Dezember 14, 2007 · Kommentare sind deaktiviert

Hallo erstmal,

Kommt Ihnen euch diese Anrede bekannt vor? Ja, mir auch. Deswegen habe ich sie auch gewählt. Ansonsten wird es sich in diesem Beitrag aber nicht um deutsche Comedians drehen, soviel sei gesagt.

Nein, heute dreht sich nun schon ein zweites Mal alles um kleine Filmchen. Genauer gesagt: Um ein kleines Filmchen. Es macht derzeit Furore der ganz besonderen Art und fördert explizit den Humor der tieferen Eben, wie er in Bürokantinen und Schülerklos auch oft zu finden ist.

Habt ihr schon mal gesehen, wie ein bemühter, frisch gebackener Hundebesitzer einen Welpen mit mitleidigem Blick in dessen eigene Verdauungsendprodukte drückt, um ihm zu einem stubenreinen Leben zu verhelfen? Das funktioniert meistens auch. Wenn nicht, kann man den Missratenen ja auch auf dem Weg zur Arbeit an einer Autobahnraststätte zurücklassen (sofern man noch nicht eine Jahresration Welpifit-Trockenfutter gekauft hat).

Wo war ich? Ach ja: etwas ähnliches habe ich vor drei Tagen gesehen, doch ich habe die Befürchtung, dass die Betroffenen immer noch nicht stubenrein sind. Natürlich rede ich, wie ihr als fleißige Beobachter des Trend-Radars YouTube wahrscheinlich schon längst mitbekommen habt, von einem äußerst engagiert produzierten Film namens 2girls1cup.

Es ist nun in Mode geraten, unwissende und gleichermaßen unschuldige Menschen vor einen Computer zu setzen, dieses kurze aber einprägsame Video zu starten, das ich hier aus rechtlichen und hausverständlichen Gründen nicht platzieren möchte, und die Reaktionen der, zwischen Neugier und Panik schwankenden, Rezipienten zu filmen.

Dies geschieht meist in Begleitung von ermunternden Sprüchen wie „Du musst es aber bis zu Ende anschauen – EGAL WAS PASSIERT!“ oder „Oh Gott, ich kann es echt kein zweites Mal ansehen, haben wir kein Stativ?“.

Diese Video ist von so schlechter Machart, dass ich mich gerade frage, ob es eine goldene Himbeere eigentlich auch für Pornos gibt. Wenn, wäre es wahrscheinlich keine goldene Himbeere, sondern etwas anderes, das eine bereits bestehende, ernst genommene Auszeichnung parodieren, aber nicht ins Lächerliche ziehen würde (im Gegensatz zum glücklichen Gewinner). Falls es euch interessiert: Der Oscar der „Erotikfilmbranche“ heißt Venus Award, was ich für eine relativ geschmackvolle und dennoch fast zu verhaltene Namensgebung halte. Die Filme sind ja auch nicht so dezent.

Zurück zum heißesten Video der Saison: 2 girls1cup. Ich möchte gar nicht so sehr auf den Film selbst eingehen, da ich ja niemandem den Spaß verderben will. Ich kann nur sagen: Überraschend? Ja. Hinter der Grenze des guten Geschmacks? Definitiv. Echt? Nein. Zumindest hoffe ich das.

Was diese zwei Frauen (2girls) mit einem Becher (1cup), ihren jeweiligen Körperöffnungen und Körperausscheidungen zu pornös dudelnder Einkaufscenter-Musik machen, lässt mich wieder einmal am Sinn einer Evolution zweifeln, die ein Wesen namens Mensch erschaffen konnte (für alle, die Darwin für einen Spinner halten, einfach „Evolution“ durch „Schöpfer“ ersetzen). Wer produziert ein Video, das, vom täglichen Hardcore-Porno und Splatter-Movie schauen, abgestumpfte Jugendliche vor laufender Kamera zum Würgen bringt? Und wer sieht sich etwas mit sexuellem Genuss an, das andere zum Erbrechen aufs Klo rennen lässt? Fragen über Fragen.

Antworten habe ich darauf keine, aber ein paar nette Videos, die indirekt die kranken Ausuferungen unserer Gesellschaft treffend veranschaulichen. Besonders gefallen hat mir das stille Entsetzen in Video Nummer 4.

Alle, die dieser Beitrag neugierig gemacht hat, googelt und ihr werdet finden…

Anmerkung: Ich habe keine Lust auf die psychologisch sicher hoch interessante Nabelschau von wutentbrannten Fäkalporno-Fans, die mich über die hohe Kunstfertigkeit dieses Machwerks aufklären wollen. Daher, keine Kommentare hier.

Kategorien: YouTube · gehirnschwund
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , , ,

In eigener Sache…

Dezember 9, 2007 · 5 Kommentare

An dieser Stelle ausnahmsweise mal was Persönliches (keine Angst, mein Blog mutiert nicht zum Tagebuch).

Ich erzähl ja immer groß, dass ich Filmchen drehe (nein, nicht von dieser Sorte) und niemand kriegt je was zu sehen. Deswegen möchte ich euch dieses kleine Projekt, dass wir mit einem ganz tollen Team und kaum Budget durchgezogen haben, nicht mehr länger vorenthalten. Ein paar Schönheitsfehler hat es natürlich, aber insgesamt sind wir mit unserem ersten Musikvideo ganz zufrieden. Es heißt Jack und wurde für das gleichnamige Lied der Tiroler Band Sledgebucks produziert.

Leider funktioniert irgendwie die Einbindung des Codes nicht, daher muss ich euch auf videocommunity.de verweisen, wo unser Video auf der Startseite steht (ja, ich platze vor Stolz).

Falls wir da später einmal nicht mehr der Aufmacher sein sollten (kann ja mal vorkommen), ist das Video auch hier zu finden.

Viel Spaß damit!

Anmerkung der Redaktion:

Genickstarre hört auf zu siezen. Es gab Beschwerden, das sei nicht Web 2.0 genug, wenn man so überhöflich und distanziert mit den Lesern umgehe. Erst dachte ich: „Wir sind hier doch nicht bei Ikea„. Aber von mir aus, wenn IHR das so wollt. Muss ich wenigstens nicht mehr so viel Großschreiben.

Brrr! Ich fühle mich richtig schmutzig, weil ich hier so persönlich wurde. Das war eine absolute Ausnahme. Mir wird ganz schlecht vor Herzenswärme.

Kategorien: Gesehen und gemocht
Mit Tag(s) versehen: , , , , ,

Männer in Badeanzügen

Dezember 7, 2007 · 2 Kommentare

„Poster hier nur fünf Euro! Letzte Poster, nur fünf Euro hier! Statt acht nur noch fünf Euro! Poster hier nur fünf Euro! Letzte Poster hier nur fünf Euro!…“, tönt es über den Platz vor der Frankfurter Festhalle.

Ein bulliger Glatzkopf stopft mit geübter Hand die Fünf-Euro Scheine in sein beiges Eastpack-Bauchtäschchen. Direkt vor der Halle steht er, über den Arm einen großen Stapel billiger Schwarzweißposter.

Über mangelnde Kundschaft kann er sich nicht beklagen, die Massen strömen in gleichmäßigen Wellen aus der Halle und immer wieder bleiben ein paar an ihm hängen, drücken ihm ihr Geld in die Hand, nehmen ihr Poster und lassen sich wieder von der Menge treiben.

Erst ein paar Meter weiter werden sie feststellen, dass es hinten, bei den ebenfalls brüllenden Kollegen des Glatzkopfs auch noch schönere Poster gegeben hätte – um den gleichen Preis.

Doch es ist egal, denn sie sind glücklich. Über ihre biergeblähten Bäuche spannen sich T-Shirts, auf denen Männer in Badeanzügen zu sehen sind. Vorzugsweise in einem Meer aus züngelnden Flammen.

Doch auch einer, der ein bisschen mehr auf angemessene Kleidung zu achten scheint, prangt auf den Brustkörben der gesättigten Menge: Ein Mann im bodenlangen, schwarzen Mantel, mit einem großen schwarzen Hut, der ihm tief ins Gesicht gezogen ist. Da kann es sich nur um einen handeln: Den Undertaker.

images.jpeg

Ja, Sie werden es vielleicht erraten haben. Gestern wurde ich Zeuge der Nachbeben eines Wrestling-Events. Eigentlich hatten wir ja keine Lust mehr, kurz vor elf extra nach Frankfurt zu fahren, um dort Freunde abzuholen, die tatsächlich Teil dieser aufgekratzten, von den Szenen der Gewalt geil gemachten, Menschenmasse sein sollten. Wir fanden sie nicht gleich, was bei tausenden verrückten Wrestling-Fans kein Wunder ist, und so hatte ich Gelegenheit genug, meine Schreibblockade zu überwinden.

Wissen Sie, ich würde gerne eines sagen: „Wrestling, das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Das schauen sich die Leute an, egal ob reich oder arm. Das findet der Anwalt genauso gut wie der Metzger.“ Aber es stimmt nicht.

So, alle die nach dieser Ansage glauben, eine mitleidheuchelnde Mileustudie präsentiert zu bekommen, um sich wieder einmal an ihrem perfekten Mittelstand-Vorortleben aufgeilen zu können: hier endet für Sie der Artikel. Glauben Sie doch, was Sie wollen.

Ja, tatsächlich sind es wohl kaum Universitätsprofessoren und Hirnchirurgen, die da überteuerte Poster kaufen. Nein, schon eher ist es ein 16-jähriger mit flaumigen Bart und Military-Daunenjacke, der mit seinen Freunden vor dem Glatzkopf stehen bleibt. Zu ihm gesellt sich eine Frau, die sich nach drei Stunden Entzug die eine Zigarette mit der vorigen anzündet. Dann kommt ein alter Man mit Schnauzer und roter, großporiger Knollnase und kauft ein Poster, obwohl er murrt „Fünf Euro für einen Fetzen Papier, die spinnen ja.“

Ein anderer in durchgesessenen Jeans trägt ein Baby am Arm. Ob es auch Zeuge der Kämpfe im Ring wurde, will ich bezweifeln. Wahrscheinlich wartet sein Vater nur auf die blonde Frau im Minirock, die sich auf hohen Absätzen mit ihren wankenden, ebenfalls blondierten, Freundinnen einen Weg durch die Menge bahnt.

Nicht alle bleiben stehen. Eine gut siebzigjährige Frau im wallenden Blümchenrock, über dem sie einen Undertaker-Kapuzenpulli trägt, kämpft sich mit ernster Miene und dem Einsatz ihrer ganzen Körperfülle durch den Wald aus Posterkäufern.

Alle Generationen sind hier vertreten, doch eine fällt besonders auf: Es sind die Kinder, die aufgeregt vor den Füßen ihrer Eltern her tanzen, den goldenen Siegesgürtel aus Plastik über die Schultern und in der Hoffnung, gleich ein Poster zu bekommen.

Es muss eine aufregende Nacht für sie sein. Aufbleiben bis elf, vorher einen Schluck von Papas ekeligem Bier gemacht, wie es nur echte Männer dürfen. Wie die Mischung aus professioneller Gewalt und Daily Soap nun eigentlich an diesem Abend ausgegangen ist, das kümmert sie nicht. Sie wollen ein Poster vom Undertaker, wollen an der Hand von Mama und Papa damit zum Parkplatz gehen.

Wrestling ist eine schöne Sache, es bringt die Menschen zusammen. Diese Kämpfe sind ein Spektakel für die gesamte Familie. Großväter tragen ihre Enkel auf den Schultern, turtelnde Paare kommen Arm in Arm aus der Halle. Freunde stehen im Kreis und rufen dem Glatzkompf immer wieder lachend „Poster hier nur 3 Euro! Nur drei Euro hier die Poster!“, dazwischen.

wrestling.jpeg

Ich sehe kein Problem, wenn sich Männer in Badeanzügen zur Show gegenseitig Stühle über den Schädel ziehen. Sie sollten es öfter tun. Denn, Wrestling macht offensichtlich nicht automatisch aggressiv, ich zumindest kann nichts derartiges erkennen. Ich wette, bei jedem Ärztekongress geht es am Buffet härter zu.

buffet.jpg

„Poster hier nur fünf Euro! Letzte Poster hier nur fünf Euro! Wer hat Geld für mich?! Habt ihr Kleingeld für mich, Leute?! Hallo! Poster hier nur fünf Euro! Statt acht nur noch fünf Euro!“

Kategorien: Gesehen und gemocht
Mit Tag(s) versehen: , , , , , ,

Blockiert

Dezember 3, 2007 · 9 Kommentare

Jedes große Genie hat sie schon erwischt: die Schreibblockade.

Diese Wort ruft ein beklemmendes Gefühl in jeder Schriftstellerbrust hervor. Doch auch für Journalisten und ja, ganz eindeutig auch für Blogger, ist die Schreibblockade existenzbedrohend. Keine Artikel, keine Kohle. Keine Blogbeiträge, kein..äh…keine Kommentare. Eigentlich auch egal, wenn einem nix mehr einfällt, für den Blog, könnte man meinen. Aber irgendwie finde ich es trotzdem nicht so toll, dass sie mich erwischt hat, die Schreibblockade.

Ja, seit Tagen bin ich ohne Ideen. Suche verkrampft nach Themen, indem ich mich durch das gesamte Nachmittagsprogramm von VOX und Pro7 kämpfe. Denke mir „Wenn ich noch mal was über den Manolo aus Dresdner Schnauzen bringen würde…“. Aber das wäre unverschämt.

Tatsächlich hat mir die Geschichte vom kleinen „Zwergseidenäffchen“ aus Dresden und seinem Pfleger, sehr viele Leser von Google eingebracht. Ich kann nur sagen: Dieser kleine Manolo scheint die Leute zu beschäftigen. Genug jedenfalls, um eine eigens eingerichtete „Dresdner Schnauzen“ Website des ZDF zu verdienen. Egal. Das ist jetzt nicht Thema. Sie sehen schon, wie verzweifelt ich bin.

Ja, ich will es zugeben. Seit Tagen wälze ich mich schlaflose Nächte lang in meinem Bett herum. Immer auf der aussichtslosen Jagd nach Ideen.

Ich telefoniere täglich mit meinem Verlag, wenn auch unfreiwillig. Die wollen mir an den Kragen, weil ich nichts mehr liefere. Ja, das Leben eines millionenfach gelesenen Bloggers ist härter, als Sie glauben wollen.
Nicht mal das Koksen macht mir noch Spaß. Ein enger Freund hat mir gestern schon zum dritten Mal, als Pizzaboten verkleidete, Callboys vorbeigeschickt, weil er dachte, das könnte mich aufmuntern. Tja, da lag er falsch. Ich hab denen mein Handy mit einer Wucht an den Kopf geworfen, die Naomi Campbell auch nicht übertreffen hätte können.

Sie sehen schon, so eine Schreibblockade geht an die Substanz und führt zu unnötigen Gerichtsverhandlungen. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass ich mit Hilfe meines Therapeuten diesen leidigen Zustand bald in den Griff bekomme. Bis dahin werden Sie wohl stattdessen bildblog lesen müssen. Von mir ist derzeit nichts zu erwarten.

Nachtrag:

Manolo wird übrigens schon als „der Knut von Dresden“ bezeichnet. Dieser Titel ist annähernd so ehrenhaft wie „der König von Mallorca“.
Aber egal, den Affen wird es wohl kaum stören und den Leuten gefällt’s.

Kategorien: gehirnschwund
Mit Tag(s) versehen: , ,