Es gibt eigentlich nur sehr wenige gute Gründe, nicht bei Aldi, dem wohl größten deutschen Lebensmitteldiskounter, einkaufen zu wollen.
Das bisschen Wühltisch-Stress, wenn zwanzig Hausfrauen um ein Super Deluxe Nähset mit 85 Teilen für 5,99.- prügeln, ist doch nicht der Rede wert. Sowas kommt selbst beim besten Rewe mal vor und ist nichts gegen künstlich produzierte Verknappungs-Szenarien, wie sie bei Media Markt schon gespielt wurden.
Es ist auch nicht die Gewissheit, dass jedes Stück Obst, das man zu kaufen gedenkt, schon durch hunderte Hände gegangen ist. Man selbst hebt ja auch fünf Apfel-Kisten an, um aus der untersten hoffentlich den schönsten und rötesten zu bekommen.
Es genügt nicht die Tatsache, dass so mancher Single sich beim wöchentlichen Fleischkauf an der Kühltruhe schmerzlich des Fehlens einer besseren Hälfte bewusst wird. Wenn er Putenbrust kauft nämlich – ein ganzes halbes Kilo. Zuviel für einen, aber eigentlich auch für zwei.
Na toll, denkt sich also auch das Pärchen neben dem traurigen Single. Dauernd werden wir diesem Baby-Zwang ausgesetzt. Darüber werden sie so nervös, dass sie sich augenblicklich trennen und fortan noch mehr traurige Singles überproportionierte Putenbrustpackungen kaufen müssen.
Nein, all das und noch viel mehr ist nicht der Grund, sich vor dem allwöchentlichen Studenten-Aldi-Großeinkauf zu drücken. Es ist der traditionelle Kampf an der Kasse. In allen normalen Supermärkten der Welt sucht sich der Verbraucher die Kasse mit der kürzesten Schlange und den Menschen mit den wenigsten Produkten im Wagen. Nein, nicht bei Aldi.
Hier sucht man sich die Kasse mit den meisten Leuten und den vollsten Wägen. Man braucht schließlich Zeit, seine Einkäufe aufs Band zu legen, am besten mit den schweren Sachen nach vorn. Muss Säcke nehmen und seine Karte oder Bargeld bereit halten. Denn, wenn man erst mal dran ist und weder Kinder im Schlepptau hat noch gebrechlich wirkt, geht alles viel zu schnell.
Man wird mit einem bestimmten aber professionell freundlichen Blick der Kassiererin auf seine Greifen-Wagen schmeißen-Greifen-Wagen schmeißen-Schnelligkeit geprüft und als tauglich eingestuft. Nun beginnt ein Wettkampf auf den man sich immer wieder gegen seinen Willen einlässt: Kassiererin gegen Einkäufer. Die Kassiererin gewinnt immer.
Ist man schließlich verschwitzt und am Ende seiner Kräfte, hat wieder mal die Tomaten und die Eier versehentlich mit den Gurkengläsern und der schweren Putenbrust zerquetscht, dann hört man ein entspanntes, freundliches aber ohne Zweifel siegesbewusstes: “Bar oder mit Karte?”
Foto: Amanda Pike-Russel






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