Genickstarre

Der Sinn darin

Februar 10, 2008 · 3 Kommentare

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Lysann hat mir wieder einmal in ihrer erfrischenden Art einen Denkanstoß gegeben.

Zum Journalismus-Studium gehört es dazu, immer und immer wieder ethische Grundsätze durchzukauen. Zu versuchen, eine Orientierung zu finden, zwischen Wirtschaftsinteressen und öffentlicher Verantwortung. Gegen die BILD zu wettern.

Weiße Magie nennt Lysann das, was wir da machen. Und sie sieht das ganz realistisch: es ist Heuchelei.

Warum also vergeblich mit zahnlosen Tigern und den Siegfrieds und Roys des Journalismus gegen all das Schwarze, Mächtige vorgehen? Wenn man womöglich selber eher eine graue als eine weiße Weste hat?

“Journalismus ist der Versuch, eine gemeinsame Realität zu schaffen”, habe ich mir heute in meinen Lernunterlagen angestrichen. Und ich glaube, das ist tatsächlich die große Aufgabe. Aus diesen 6,6 Milliarden Menschen immer noch eine Einheit zu machen. Damit wir irgendwann mal nicht mehr alles mit uns und den anderen geschehen lassen, weil wir gar nicht mehr wissen was real ist.

Das ist natürlich naiv. Denn, wenn gemeinsame Realität Erfolg hat, dann meist, um uns einzulullen und uns ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Egal ob EM 08, Berlinale oder Opernball.

Wir brauchen aber keine plätschernde Small-Talk-Realität, wir brauchen eine echte Realität. Auch wenn es beim Versuch bleibt: bitte nicht aufgeben. Ich glaube, das ist es, was uns noch zusammenhält. Diese Realität wird hoffentlich irgendwann so real, dass wir endlich sehen, hören, fühlen können, was mit uns passiert. Damit wir merken, dass genug ist.

Dafür brauchen wir ein bisschen weiße Magie.

Foto: Chilling Soul

Kategorien: immer wieder mal · umgeschaut
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3 Antworten bis hierher ↓

  • Lysann // Februar 11, 2008 um 8:40

    Wenn du mich jetzt sehen könntest, würdest du nicht mehr von erfrischend sprechen ;) … doch eine kleine Anmerkung zu deiner Theorie: Als Beispiel für Realität, die Erfolg hat, führst du Events an. Ist es da der Journalismus der zu uns spricht? Oder wieder die PR?

    Ich verstehe den Begriff der Realtitäts-Erschaffung nicht wirklich. Vielleicht hast du noch ein Beispiel?

  • genickstarre // Februar 11, 2008 um 8:58

    Natürlich sind Olympiaden oder auch so etwas wie die Berlinale ein PR-Konstrukt. Zusammengefügt und fassbar gemacht werden sie aber vom Journalismus.
    Das geht dann eben so weit, dass die Menschen eine Fußballweltmeisterschaft in ihrem Land tatsächlich als ihre Realität ansehen, auch wenn sie vielleicht kein einziges Spiel gesehen haben und auch mit keinem einzigen “Gast” jemals ein Wort gewechselt haben.
    Aber diese Euphorie macht sich allein durch die Berichterstattung trotzdem breit, weil es eben etwas ist, das gerade im Moment sehr viele Menschen auf einmal beschäftigt: eine Gemeinsamkeit.

    Naja, es mag vielleicht ein blödes Beispiel sein, weil sich nicht wirklich jeder dafür interessiert:

    Die Präsidentschaftswahlen in den USA. Die Berichterstattung darüber bringt mir das Geschehen dort sehr nahe. Ich kann beinahe jeden Schritt mitverfolgen, kann die selben Reden hören, wie ein Amerikaner, kann mitfiebern. Das wird so emotional mitreißend, bis ich selber irgendwann einen Favoriten habe und für ihn stimmen würde.
    So wird sozusagen die Realität eines Amerikaners auch zu meiner, obwohl ich nicht einmal direkt betroffen bin.

    Tut mir leid, wahrscheinlich habe ich mich immer noch nicht klar ausgedrückt, aber es ist ja auch ein verdammt schwieriges Thema;-)

  • Danyo // Februar 11, 2008 um 6:08

    Also ich fand die Erklärung sehr ansprechend. Ich muss es wissen, schließlich hab ich den Kabbes ja schon hinter mir.

    Ach ja, bei den 6,6 Milliarden Menschen kannst du die BILD-Leser gleich abziehen. Denen ist eh nicht mehr zu helfen ^^

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