
Vorgestern habe ich mir den oscar-gepushten Indie-Film Juno angesehen. Schauspielerisch hat es bei Ellen Page an manchen Stellen ein wenig gehapert. Jaaa, ich weiß, sie war für den Oscar nominiert und so. Wer jetzt denkt, er hat mich: Nein, natürlich habe ich mir den Film in der Originalverision angesehen.
Insgesamt war der Film aber äußerst berührend und hat den Oscar für das beste Original-Drehbuch schon verdient, wie ich finde. Sauberer Schnitt, schöne Farben, brave aber gute Kamera, tolle Musikauswahl (danke für Belle&Sebastian) und ein hinreißender Michael Cera taten das Übrige zu einem gelungenen Kinoabend. Hab schon lang nicht mehr so geheult bei einem Film, aber das liegt wohl am Wetter. Wirklich traurig ist Juno nämlich gar nicht.
Was mich aber zunehmend ärgert: Product Placement.
Leute, Product Placement ist KEIN ERSATZ für eine gute Charakterisierung. Bei dem inflationären Gebrauch von Apple-Placement frage ich mich inzwischen immer, ob Steve Jobs eigentlich euch einen Gefallen tut, wenn ihr seine Macs und iPods in euren Filmen verwenden dürft.
Ein MacBook Pro oder iMac in der Wohnung des Protagonisten ist für mich inzwischen zum absoluten Warnsignal geworden: Achtung, da war keine Zeit, die Charaktere sauber auszuarbeiten. Die werden nämlich vielleicht für peinliche Apple-Fundis beeindruckender, bleiben ansonsten aber leider flach und kalt.
Ist euch schon mal in den Sinn gekommen, dass man eine Person nicht nur über Produkte charakterisieren kann? Was ist denn das bitte für eine Aussage: Der hat eine Verpackung (!) der WMF 1 in seinem Hobbyraum stehen, der muss ja ein cooler Musiker sein???
Tut mir leid, aber da lege ich doch mehr wert auf gute Dialoge, gezieltes Kostüm und natürlich Setdesign. Aber auch ein sündteuerer Couchtisch wird mir zwar sagen: “Oh, der ist reich.” Sympathie werde ich deswegen aber kaum für den Charakter entwickeln. Es ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die einen Filmhelden ausmachen, genau wie im richtigen Leben.
Daher war für mich bei Juno die Filmfigur Paul Bleeker am besten ausgearbeitet und hat mich am meisten berührt. Obwohl der lächerliche Hosen trägt und süchtig nach orangen TicTacs ist. Aber diesem Stottern kann doch keiner widerstehen. Mehr von Cera gibt es bei Arrested Development zu sehen, wo auch Jason Bateman die Hauptrolle hat.
Aber seht euch erst mal Juno an.
Foto: Steve Rhodes






2 Antworten bis hierher ↓
Danyo // März 10, 2008 um 11:43
Hm… Product Placement. Das ist mittlerweile wirklich lästig und spielt in Charakterisierungs-Sphären, die Gut und Böse nahezu in den Schatten stellen.
Bei StarWars hatten die Guten die blauen Laserstrahlen und die Bösen die roten. Jetzt haben die Guten halt einen Mac und die Bösen was anderes. *grml*
Aber wenn dich PP wirklich ärgert, dann mach´ lieber einen ganz großen Bogen um “Run, Fatboy, Run” ^^ der Streifen ist zwar lustig, allerdings eine große Nike-PR-Aktion.
Und Juno ist wirklich schön =)
lonelygirl15 is back « Genickstarre // April 16, 2009 um 10:45
[...] Einen anderen, viel witzigeren Film habe ich übrigens auch entdeckt: Ein geiler Film mit Michael Cera (kennt man hoffentlich, unbedingt aus der wundertollen “Ich-schmeiß-mich-weg-klopf-mir-auf-die-Schenkel-und-mach-mir-in-die-Hose-so-sehr-muss-ich-lachen”-Serie Arrested Development, aber wahrscheinlicher aus dem auch sehr okayen Film “Juno“). [...]