Genickstarre

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genickstarre gibt keine ratschläge mehr

Januar 14, 2009 · 2 Kommentare

birdsIch höre auf, bevor es peinlich wird: Nein, natürlich wird dieser Blog keine Ratgeberseite. Und es liegt auch bestimmt nicht daran, dass niemand einen ernst gemeinten Kommentar hinterlassen hat.

Auf die beiden falschen Kommentare vom vorigen Beitrag kann ich nur antworten: Das war eine Falle. Der Zustand des Bereuens ist nämlich etwas sehr sehr Dummes. Eventuell kann man sich schämen für/ärgern über etwas, was man gerade tut oder gerade nicht tut. Aber, dann sollte man auch gleich besser aufhören es zu tun oder damit anfangen. Und wenn man etwas bereut, muss man damit leben – es ist vorbei. Und, wie es die Volkswirte sagen würden: Das sind sunk costs. Man kann es nur besser machen in Zukunft, man kann nicht nur, man muss. Sonst ist man nur ein bemitleidenswertes Würmchen, das sich im Schlamm des Bereuens suhlt.

Wenn ihr jetzt das Gefühl habt, ihr seid im Workshop „L. Ron Hubbard verstehen in zehn einfachen Schritten“ gelandet, wundert euch nicht. Tom und ich sind nämlich gute Freunde. Wenn nur Katie sich nicht immer einmischen würde, dieser Besen mit Handtasche. Wo waren wir?

Ach so, Daniela: Überdenke mal in einem stillen Moment deinen Männergeschmack, damit dir sowas nicht noch mal passiert und sei froh, dass du nur ein paar Jahre, nicht Jahrzehnte, verschwendet hast. Und Flo: Die besten Motive sollte man vielleicht gar nicht fotografieren, aber das ist eine ganz andere Frage, die ich vielleicht, wenn ich mal Lust habe, ein ganz anderes Mal erörtern werde.

Das Foto hat überhaupt nichts mit dem Beitrag zu tun.

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Das liebe Wetter…

Mai 29, 2008 · 1 Kommentar

Wie könnte man nach zwei Monaten sinnbefreiter seinen Blog reaktivieren, als über das Wetter zu schreiben? Ich befinde mich damit glaube ich tatsächlich knapp über dem Nullpunkt journalistischer Relevanz, nein, überhaupt knapp über dem Nullpunkt.

Aber ich tue es trotzdem. Warum? Um die Vorteile des Wetters an dieser Stelle mal hervorzuheben:

  • man kann sich darüber aufregen und dreimal mit dem Fuß aufstampfen
  • man kann darüber reden, sich gleichzeitig dessen bewusst sein, dass das Gegenüber einen für einen beschränkten Spießer im Smalltalk-Modus hält und dasselbe über ihn denken, weil er grade sagt: „…da überlegt man sich schon, ob man Kühe nicht doch abschaffen sollte. Wegen der Fürze, du weißt schon. Hahahaha.“
  • man kann es zum Anlass nehmen, sich Eis, ein Cabrio, ein Ferienhaus, eine Hängematte, eine Balkonpflanze….zu kaufen
  • man kann es als Ausrede verwenden, um sich zu Hause einzuigeln, drei Tage lang nicht einkaufen zu gehen und sich am laufenden Band Ente süß-sauer und altbackene Glückskekse zu bestellen
  • als junger BILD-Praktikant kann man es als Aufhänger für eine große Aufregerstory benutzen: „Zwei Wochen Regen auf Malle – Deutsche Urlauber treten Klagelawine los“
  • es reimt sich auf netter, fetter, adretter, Mähquetschzetter, Fensterbretter, Vetter…
  • es hat Generationen von Bauern zum Dichten gebracht und ist somit sicher auch für die fortschreitende Alphabetisierung und nicht zuletzt für die industrielle Revolution in Sprockhövel verantwortlich
  • es krubelt die Volkswirtschaft gerade auf dem Sektor der „Regenschirmspannstabproduktion“ auf erfreulichste Weise an
  • man kann es zum Anlass nehmen a) Sex vor offenem Kaminfeuer zu haben oder b) eben keinen Sex zu haben
  • es reimt sich auf Mähquetschzetter und lässt mich überlegen, was ein/e Mähquetschzetter wohl sein könnte

Ist das nicht ein fulminantes Comeback? Wohl eher nicht. Kein Wunder, sämtliche kreative Energie beziehe ich aus einem selbst gebastelten Pyramidenhut aus Pappmasché. Außerdem fließt der Rest noch hierhin.

Die kurze Suche nach Mähquetzetter kam zu keinem befriedigendem Ergebnis. Man möge mich aufklären, bitte.

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Bild-Stau

Februar 20, 2008 · 2 Kommentare

Ich ärgere mich.

Es ist eh schon schwierig genug, mit meinem lahmen mobilen Internet namens Willi (soll eine sexuelle Anspielung sein) mein Blog auch von Innsbruck aus am Leben zu erhalten. Und dann spinnt auch noch mein/unser aller wordpress.

Das Bilder-Hochladen funktioniert nicht. Beziehungsweise: hochladen geht, aber einbinden nicht. Ich hätte doch ein so schönes Bild für den vulgären Eintrag. In letzter Zeit habe ich überhaupt so schöne Bilder, Flickr sei gedankt. Und natürlich allen Fotografen, die ihre tollen Kreationen unter creative commons stellen. Wie lieb von euch.

Wird jedenfalls Zeit, dass ich mal umziehe. Zwar ist das nicht gerade auf Grund der bombastischen Zugriffszahlen oder meiner atemberaubenden Webdesignkenntnisse von Nöten. Aber ich habe noch eine Domain übrig und überhaupt: Ich arbeite an einer ganz tolligen Sache. Mit Schokolade, Spaß und Überraschung. Oder wie der Spruch auch immer geht.

Ich muss mit tiefer Bestürzung feststellen, dass ich immer mehr ins Tagebuch blöggeln abdrifte. Keine schöne Sache. Also: Basta!

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Meine Straße, mein Zuhause, mein Blog…

Februar 19, 2008 · Kommentar schreiben

Mach einer wird es beim Lesen gemerkt haben: Ich schreibe privat gerne mal vulgär. In meinem Blog darf ich das. Dafür brauche ich nicht mal eine Maske und muss auch keine Musikvideos drehen, in dem sich hinter/unter/auf mir in Leder gekleidete Freudenmädchen räkeln.

Wenn mich äußere Umstände zwingen, spreche ich aber auch…na ja, sagen wir mal…etwas gröber.
Unsere gestrigen Ticketprobleme waren solche äußeren Umstände. Äußerste Umstände sogar. Da ist mir dann in der Bahn doch noch rausgerutscht, was ich mir schon die ganze Zeit dachte: „Uns hat das Leben wieder mal so richtig in den Arsch gefickt.“
Ich schreibe das hier so unzensiert, damit sich der geneigte Leser eine Vorstellung machen kann, von der grobschlächtigen Gröbe meiner groben Sprache.

Welche Wirkung das auf die ältere Dame mit Hermes Halstuch am Viererplatz nebenan hatte, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Egal. Wenn genug ist, ist genug.

Jedenfalls lässt mich das an meine, Gott sei Dank ach so weit entfernte, Jugendzeit denken. Damals gab ich wohl keinen Satz von mir, in dem nicht wenigstens ein beherztes F!ck oder verf!ckt vorgekomen sind. Und alles, nur um zu provozieren. Wie lächerlich. Würde ich heute nicht mehr machen.

Auch, wenn sich damit gutes Geld verdienen ließe. Man denke nur an all die Pornorapper, die bei ausverkauften Konzerten schon die Zwölfährigen begeistern.

Vulgär ist ja eigentlich immer noch très chic. Wenn ich mir überlege, dass ich bei der TAZ erst vor kurzem einen Satz gelesen habe, der ungefähr so lautete: (…)darf man wieder nach Lust und Laune VÖGELN(…). Man braucht sich gar nicht zu fragen, ob so etwas bei einer FAZ jemals (in den feuchten Träumen eines blutjungen Feuilleton-Redakteurs vielleicht) vorkommen würde/könnte/dürfte.

Ich bin mir aber nicht sicher, was ich lächerlicher finde: Den übermäßigen Gebrauch von Fremdwörtern, die man zwei Monate nach der Veröffentlichung des Artikels selber schon wieder nachschlagen müsste? Oder diesen betont rotzigen Gebrauch von semi-demi-akzeptierten Vulgärismen?

Ich glaub, ich schau mir jetzt „Die Vögel“ an. Keine Ahnung, wie ich darauf komme.

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Das Danny DeVito Phänomen

Februar 18, 2008 · 3 Kommentare

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Ich glaube, ich werfe kein gutes Licht auf die Blogosphäre. Sollte zufällig mal ein Feuilleton-Redakteur einer überregionalen Zeitung bei mir vorbei schauen, würde er sich bestätigt wissen: Wir Blogger stinken vor Selbstreferenzialität. Ich gehe (in Ermangelung guter Freunde aus dem Blogbusiness) sogar so weit, dass ich vorwiegend nur auf mich selbst verweise. Und wiederum überwiegend nur auf lustige Sucheinträge aus meiner Blogstatistik.

Heute:

Warum werden kleine Männer nicht gemocht?

Eine Idee: Weil ihr klein und schwächlich seid.

Eine andere Idee: Weil ihr klein, schwächlich und ziemliche Jammerlappen seid. „Warum werde ich nicht respektiert? Buhuuuu!“

Noch eine Idee: Wegen Danny DeVito.

Der spielt nämlich meistens unsympathische, gierige, verschlagene Zwerge. Zwar oft sehr erfolgreiche, verschlagene Zwerge, aber unsympathisch sind sie trotzdem. Ich glaube, dass kleine Männer deshalb immer als zwielichtig und hinterlistig empfunden werden.

Leider hat Danny DeVito sehr viele Filme gemacht. Jeder ist schon mit diesem Phänomen in Berührung gekommen.

Tröstend kann ich da eigentlich nur sagen: Sollte sich tatsächlich mal eine Frau mit euch einlassen, wird sie merken, dass ihr eigentlich total lustig, warmherzig und intelligent seid. Ok, ein bisschen neurotisch vielleicht, aber das ist ja momentan der letzte Schrei.

Große Männer gelten dafür als etwas zurückgeblieben und ungeschickt. Allein schon wegen der riesigen Hände. Allerdings mag jeder diese hoch gewachsenen Tollpatsche. Das haben sie Matthew McGrory zu verdanken.

Foto: Simon Pais (cc)

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Zu spät…wieder mal

Februar 14, 2008 · 2 Kommentare

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Eigentlich hatte ich ja vor, ganz euphorisch über das Hoch „David“ zu bloggen. Wie hübsch doch die Krokusse schon blühen und die Schneeglöckchen. Dann wollte ich meinen täglichen Weg zur Bushaltestelle fotografieren, die Röhrenbildschirme, die den Bürgersteig (ösi: Gehsteig) säumen und natürlich die Blümchen.

Ich hatte schon eine großartige Idee, diesen frühen Frühling kritisch aufzurollen. Wie die Flachbildschirm-Industrie uns in die Klimakatastrophe führt. Hätte mich furchtbar über Darmstadts Müllpolitik aufgeregt und vermutlich das ein oder andere anzügliche Wortspiel eingestreut.

Tja, daraus wird nichts. Inzwischen ist es wieder sch#%! kalt und daher auch kein Frühlings- und Flachbildschirms-Blogeintrag. Das Tief Claudia hat uns erwischt. Deswegen müsst ihr heute auf meinen genialen Wortwitz und charmanten österreichischen Schmäääääääh verzichten. Schade.

 Foto: localsurfer

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Genug gehaselnusst

Februar 9, 2008 · 7 Kommentare

378791040_5e8f5c18d9.jpgUm mit vorschnellen Schlüssen von vornherein aufzuräumen: Ich bin echt kein Kaffee-Fundi und trinke auch mal die Brühe aus dem Uni-Automaten.

Aber gestern bin ich wieder einmal in den Genuß vollendeter Kaffee-Kultur gekommen. Tatsächlich war sie voll am Ende. Haha. Ich hasse Starbucks.

Früher haben mich diese vollverglasten Franchise-Läden mit dem grünen Markenzeichen magisch angezogen.

Jedes Mal, wenn ich Witz-Großstadtmädchen in eine echte Großstadt gekommen bin, hat mich eine klischeehaft imaginäre Nebelhand gepackt und mich nicht wieder losgelassen, bis ich einen Grande Irgendwas mit Nüssen und Caramel schlürfte und um fünf Euro ärmer war.

Inzwischen sollte ich es besser wissen. Und trotzdem tappe ich immer wieder in die Falle.

Erstmal mag ich diese Selbstbedienungskultur nicht mehr so gern wie früher. Wenn man mal etwas später zu einer Verabredung kommt, sitzt der andere blöd am Tisch und darf warten, bis man es endlich geschafft hat, eine dieser Kaffeekreaturen in der Monstertasse zu ergattern. Das nervt.

Starbucks erinnert überhaupt auch kalorientabellarisch an die großen Fastfoodketten. Wer einen Frappuchino mit 800 Kalorieen schlürft, sollte nicht mit dem Finger auf Burger verschlingende extra-large Familien zeigen. Aber es gibt jetzt ja auch Skinny Starbucks. Toll.

Dann hasse ich auch die Namen der verschiedenen Heiß- und Kaltgetränke, die da angeboten werden. Starbucks tut furchtbar italienisch. Ist es aber nicht. Ein Tee, der Tazo® Iced Chai Tea Latte heißt, wird nie über meine Lippen kommen.

Und warum fragt ihr mich nach meinem Vornamen und brüllt ihn dann in voller Lautstärke durch das ganze Café? „Einmal Grande Wait Tschockolat Frappuchino no wippp für genickstarre bitte.“

Der Nachteil der pseudo-italienisch-amerikanischen Namensgebung und Personalpolitik: Außer in London, war ich noch nie in einem Starbucks, in dem die „Barista“ wenigstens die Hälfte der eigenen Kaffeekreaturen aussprechen konnte.

Ich hasse Starbucks. Und teuer ist es da auch.

„Äh ja, einen Grande Expressotschino häselnat froßen wippped white tschockolät crieme, bitte. Tu go. Gratziä.“

Foto: Scott Beale / Laughing Squid, laughingsquid.com.

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Go Tigers!

Januar 1, 2008 · 4 Kommentare

Wir haben es hinter uns. Der Jahreswechsel ist vollzogen, wir sind gerutscht. Eine andere Tradition der Weihnachtsferien möchte ich auch nicht missen: Schlechte Feiertags-Filme schauen.

Tendenziell Produktionen, bei denen sich ein ausgebrannter Drehbuchautor nach einer durchgekoksten Nacht sagt: „Hey, wie wär’s mit einem neuen Highschool-Film?“ oder “ Mal wieder was mit einem Baseball spielenden Müllmann zu drehen, das hätte schon was!“. Dann macht er sich auf, seinen ebenfalls verkoksten Produzenten-Kollegen von seinem garantiert noch nie dagewesenen Plot zu überzeugen.

Die Story:

Ein abgehalfterter, alleinstehender Eishockey-Trainer (gerne aber auch Basketball, Baseball oder Football) wird zu einem hoffnungslosen, wahlweise afro- oder lateinamerikanischen Nachwuchsteam einer öffentlichen Highschool berufen. Anfangs sagt er noch bei der Besprechung mit dem Direktor, der früher mit ihm aufs College gegangen ist: „Bill, du weißt, was 85 passiert ist. Ich habe geschworen, dass ich nie wieder ein Team trainieren werde. Ich bin fertig mit Eishockey.“ Aber Bill sagt nur: „Was damals passiert ist, war nicht deine Schuld. Lass es hinter dir. Eishockey ist dein Leben, du willst doch nicht ewig Traktoren-Mechaniker bleiben. Komm schon, du hast es immer noch drauf!“

Schließlich sagt Joe, der Trainer, zu. Die Kids, natürlich aus ärmlichen Verhältnissen, aber wahre Talente, hören gerüchteweise, dass der ehemalige Trainer der NY Bulls ihr neuer Trainer werden soll und geraten in helle Aufregung.
Nur einer bleibt misstrauisch, denn er ist zu oft enttäuscht worden: Jason. Der Mannschaftskapitän ist ein hübscher, aber schwer gestörter Junge, der seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat und nun bei seinem immer noch sehr rüstigen und mit weisen Sprüchen ausgestatteten Großvater lebt.

„Da kommt die erste Krise“, wird der Drehbuchautor bei einer Line zu seinem Produzenten-Kollegen sagen, der früher Pornos mit texanischen Hausfrauen gedreht hat. Natürlich stiftet der aufmüpfige Jason das restliche Team an, gegen den neuen Trainer zu rebellieren. Joe, der Trainer, muss ihnen erst beweisen, dass sie ihm vertrauen können. Doch er weiß nicht wie. Weil mit Kindern konnte er noch nie so recht.

Um einen klaren Kopf zu bekommen fährt er zu seinem Vater auf den heimatlichen Hof und drischt auf den Punchingball im Heustadel ein, während, in Scharz-Weiß oder Sepia, Erinnerungen an seine Kindheit und Sportlerkarriere auftauchen, die immer wieder durch aussagekräftige Zeitungsschlagzeilen untermalt werden.
Endlich erfährt der Zuschauer auch, warum er 85 mit Eishockey aufgehört hat: Damals ließ er seinen besten Spieler, der einen Herzfehler vor ihm verheimlicht hat, das Länderspiel bis zu Ende bringen, obwohl er beobachtet hatte, wie dieser von einem Schwächeanfall in der Umkleide fast zusammenbrach.

Jetzt kommt Joes Vater in den Stadel und zeigt ihm, wie man richig boxt. Er war immmer schon Perfektionist und pushte seinen Sohn, wo er nur konnte. Vermutlich, weil bei einem Unfall, als er ein kleines Mädchen gerettet hatte, seine rechte Kniescheibe zertrümmert wurde und er deshalb nie wieder spielen konnte.
Nach anfänglichen harten Sprüchen seinem Sohn gegenüber, erinnert er diesen an einen kalten Wintertag, an dem er den jungen Joe bis zur absoluten Erschöpfung über den gerforenen See ihres kleinen Ortes gejagt hatte und beide dennoch unendlich glücklich waren. Und das, obwohl doch Joes Mutter erst zwei Monate zuvor an Leukämie gestorben war. Die beiden schwelgen in rührseeligen Erinnerungen und schließlich kommt es sogar zum ersten Mal seit langem zu einer Umarmung.

Seelisch so gestärkt fährt Joe zurück zu seinem Team und erklärt den benachteiligten Talenten, dass er sie nicht aufgeben wird und mit Ihnen für die Landesmeisterschaften bis zum Ende kämpfen wird. Plötzlich interessiert sich auch die blonde Schulpsychologin für den rauen, aber romantischen Eishockey-Trainer und eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich.
Alles läuft gut. Untermalt von einem griffigen Popsong, sieht man die Kids jene lustigen und pädagogisch innovativen Übungen machen, die ihnen ihr neuer Trainer mit einem Dauerlächeln und aufmunterndem Klatschen gibt. Selbst der dicke, tollpatschige Tommy schafft es endlich, die harten Schüsse des aufmüpfigen, einzigen Mädchens im Team, zu halten.
Die Tigers gewinnen die ersten Spiele, man hört den Schiedsrichter pfeifen, die Menge toben und auch Jasons Opa wird immer wieder mal in Großaufnahme gebracht. Natürlich alles in Verbindung mit dem nächsten, mitreißenden Popsong.

Das Team steht kurz vor dem Finalspiel gegen eine private Highschool, die bisher jede Meisterschaft gewonnen hat, weil sie erstens reich, zweitens groß und bullig und drittens natürlich total unfaire Spieler sind. Muss man noch erwähnen, dass der Trainer dieser Mannschaft Joes Erzfeind ist, der nun zusätzlich versucht, ihm seine neue Freundin, die Schulpsychologin, auszuspannen?

Alles steht unter Hochspannung und plötzlich, eine Stunde vor Spielbeginn passiert es: Jasons Großvater hat eine Herzattacke und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Jason fährt mit und sagt Joe unter Tränen, dass er nicht spielen wird, weil sein Großvater im Krankenhaus liegt. Er wolle ihm „Goodbye“ sagen können, falls dieser sterben sollte. Nicht so, wie damals bei seinen Eltern, für deren Tod er sich verantwortlich fühlt, weil sie trotz eisiger Straßen Auto gefahren waren, um ihn vom Eishockey-Training abzuholen.

Währenddessen hat das Spiel schon angefangen und die Gastmannschaft macht Joes Team so richtig fertig. Ohne ihren Kapitän sind die Tigers nichts. Jason kann über die Live-Übertragung auf dem kleinen Krankenhausfernseher alles mitverfolgen und wird immer unruhiger. Da nimmt sein Großvater seine Hand und bittet seinen Enkel, für ihn die Landesmeisterschaften zu gewinnen. Nach einer actiongeladenen Fahrt schafft es Jason schließlich noch rechtzeitig, das Spiel umzudrehen. Punkt um Punkt kommt das Team dem Sieg näher, bis ihn der Kapitän der anderen Mannschaft durch mehrere Body-Checks außer Gefecht setzt. Die letzte Minute ist angebrochen, alle, natürlich auch die blonde Schulpsychologin, zittern für „ihre Tigers“. Der Moment ist gekommen, für den tollpatschigen Tommy, endlich einmal seinem Team etwas zurückzugeben. Er stürzt sich auf den gefürchteten Kapitän der Gegner, damit die selbstbewusste und toughe* Lizzy das entscheidende Tor schießen kann. Alle stürzen von den Tribünen aufs Eis, die Schulpsychologin springt Joe an, der ihr seinen Wohnungsschlüssel gibt und sich endlich fest binden will. Jason wird von einem Talent-Scout angesprochen und der Großvater im Rollstuhl auf Schienen topfit übers Eis geschoben…

„Tata!“ sagt der Drehbuchautor nun und sein Produzenten-Kollege klopft ihm auf die Schulter. „Ja, echt guter Plot. Das machen wir so. Ich frag mal Claudia, ob sie Travolta für die Finanzierung kriegt“

Und ein neuer Feiertagsfilm ist geboren.

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Sollte ich irgendwelche Eishockey-technischen Fehler gemacht haben, bitte nicht kleinlich sein. Hier geht es doch nicht um Sport. Hier geht es um Freundschaft, Toleranz, Teamgeist, Vertrauen, Disziplin…

*Darf man englische Wörter eigentlich so unverschämt eindeutschen? Wohl kaum.

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Alles rein im Stübchen?

Dezember 14, 2007 · Kommentare sind deaktiviert

Hallo erstmal,

Kommt Ihnen euch diese Anrede bekannt vor? Ja, mir auch. Deswegen habe ich sie auch gewählt. Ansonsten wird es sich in diesem Beitrag aber nicht um deutsche Comedians drehen, soviel sei gesagt.

Nein, heute dreht sich nun schon ein zweites Mal alles um kleine Filmchen. Genauer gesagt: Um ein kleines Filmchen. Es macht derzeit Furore der ganz besonderen Art und fördert explizit den Humor der tieferen Eben, wie er in Bürokantinen und Schülerklos auch oft zu finden ist.

Habt ihr schon mal gesehen, wie ein bemühter, frisch gebackener Hundebesitzer einen Welpen mit mitleidigem Blick in dessen eigene Verdauungsendprodukte drückt, um ihm zu einem stubenreinen Leben zu verhelfen? Das funktioniert meistens auch. Wenn nicht, kann man den Missratenen ja auch auf dem Weg zur Arbeit an einer Autobahnraststätte zurücklassen (sofern man noch nicht eine Jahresration Welpifit-Trockenfutter gekauft hat).

Wo war ich? Ach ja: etwas ähnliches habe ich vor drei Tagen gesehen, doch ich habe die Befürchtung, dass die Betroffenen immer noch nicht stubenrein sind. Natürlich rede ich, wie ihr als fleißige Beobachter des Trend-Radars YouTube wahrscheinlich schon längst mitbekommen habt, von einem äußerst engagiert produzierten Film namens 2girls1cup.

Es ist nun in Mode geraten, unwissende und gleichermaßen unschuldige Menschen vor einen Computer zu setzen, dieses kurze aber einprägsame Video zu starten, das ich hier aus rechtlichen und hausverständlichen Gründen nicht platzieren möchte, und die Reaktionen der, zwischen Neugier und Panik schwankenden, Rezipienten zu filmen.

Dies geschieht meist in Begleitung von ermunternden Sprüchen wie „Du musst es aber bis zu Ende anschauen – EGAL WAS PASSIERT!“ oder „Oh Gott, ich kann es echt kein zweites Mal ansehen, haben wir kein Stativ?“.

Diese Video ist von so schlechter Machart, dass ich mich gerade frage, ob es eine goldene Himbeere eigentlich auch für Pornos gibt. Wenn, wäre es wahrscheinlich keine goldene Himbeere, sondern etwas anderes, das eine bereits bestehende, ernst genommene Auszeichnung parodieren, aber nicht ins Lächerliche ziehen würde (im Gegensatz zum glücklichen Gewinner). Falls es euch interessiert: Der Oscar der „Erotikfilmbranche“ heißt Venus Award, was ich für eine relativ geschmackvolle und dennoch fast zu verhaltene Namensgebung halte. Die Filme sind ja auch nicht so dezent.

Zurück zum heißesten Video der Saison: 2 girls1cup. Ich möchte gar nicht so sehr auf den Film selbst eingehen, da ich ja niemandem den Spaß verderben will. Ich kann nur sagen: Überraschend? Ja. Hinter der Grenze des guten Geschmacks? Definitiv. Echt? Nein. Zumindest hoffe ich das.

Was diese zwei Frauen (2girls) mit einem Becher (1cup), ihren jeweiligen Körperöffnungen und Körperausscheidungen zu pornös dudelnder Einkaufscenter-Musik machen, lässt mich wieder einmal am Sinn einer Evolution zweifeln, die ein Wesen namens Mensch erschaffen konnte (für alle, die Darwin für einen Spinner halten, einfach „Evolution“ durch „Schöpfer“ ersetzen). Wer produziert ein Video, das, vom täglichen Hardcore-Porno und Splatter-Movie schauen, abgestumpfte Jugendliche vor laufender Kamera zum Würgen bringt? Und wer sieht sich etwas mit sexuellem Genuss an, das andere zum Erbrechen aufs Klo rennen lässt? Fragen über Fragen.

Antworten habe ich darauf keine, aber ein paar nette Videos, die indirekt die kranken Ausuferungen unserer Gesellschaft treffend veranschaulichen. Besonders gefallen hat mir das stille Entsetzen in Video Nummer 4.

Alle, die dieser Beitrag neugierig gemacht hat, googelt und ihr werdet finden…

Anmerkung: Ich habe keine Lust auf die psychologisch sicher hoch interessante Nabelschau von wutentbrannten Fäkalporno-Fans, die mich über die hohe Kunstfertigkeit dieses Machwerks aufklären wollen. Daher, keine Kommentare hier.

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Blockiert

Dezember 3, 2007 · 9 Kommentare

Jedes große Genie hat sie schon erwischt: die Schreibblockade.

Diese Wort ruft ein beklemmendes Gefühl in jeder Schriftstellerbrust hervor. Doch auch für Journalisten und ja, ganz eindeutig auch für Blogger, ist die Schreibblockade existenzbedrohend. Keine Artikel, keine Kohle. Keine Blogbeiträge, kein..äh…keine Kommentare. Eigentlich auch egal, wenn einem nix mehr einfällt, für den Blog, könnte man meinen. Aber irgendwie finde ich es trotzdem nicht so toll, dass sie mich erwischt hat, die Schreibblockade.

Ja, seit Tagen bin ich ohne Ideen. Suche verkrampft nach Themen, indem ich mich durch das gesamte Nachmittagsprogramm von VOX und Pro7 kämpfe. Denke mir „Wenn ich noch mal was über den Manolo aus Dresdner Schnauzen bringen würde…“. Aber das wäre unverschämt.

Tatsächlich hat mir die Geschichte vom kleinen „Zwergseidenäffchen“ aus Dresden und seinem Pfleger, sehr viele Leser von Google eingebracht. Ich kann nur sagen: Dieser kleine Manolo scheint die Leute zu beschäftigen. Genug jedenfalls, um eine eigens eingerichtete „Dresdner Schnauzen“ Website des ZDF zu verdienen. Egal. Das ist jetzt nicht Thema. Sie sehen schon, wie verzweifelt ich bin.

Ja, ich will es zugeben. Seit Tagen wälze ich mich schlaflose Nächte lang in meinem Bett herum. Immer auf der aussichtslosen Jagd nach Ideen.

Ich telefoniere täglich mit meinem Verlag, wenn auch unfreiwillig. Die wollen mir an den Kragen, weil ich nichts mehr liefere. Ja, das Leben eines millionenfach gelesenen Bloggers ist härter, als Sie glauben wollen.
Nicht mal das Koksen macht mir noch Spaß. Ein enger Freund hat mir gestern schon zum dritten Mal, als Pizzaboten verkleidete, Callboys vorbeigeschickt, weil er dachte, das könnte mich aufmuntern. Tja, da lag er falsch. Ich hab denen mein Handy mit einer Wucht an den Kopf geworfen, die Naomi Campbell auch nicht übertreffen hätte können.

Sie sehen schon, so eine Schreibblockade geht an die Substanz und führt zu unnötigen Gerichtsverhandlungen. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass ich mit Hilfe meines Therapeuten diesen leidigen Zustand bald in den Griff bekomme. Bis dahin werden Sie wohl stattdessen bildblog lesen müssen. Von mir ist derzeit nichts zu erwarten.

Nachtrag:

Manolo wird übrigens schon als „der Knut von Dresden“ bezeichnet. Dieser Titel ist annähernd so ehrenhaft wie „der König von Mallorca“.
Aber egal, den Affen wird es wohl kaum stören und den Leuten gefällt’s.

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