Genickstarre

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They ripped out that poor woman’s heart!

Juli 27, 2009 · Kommentar schreiben

Die neuesten Staffeln von Weeds und True Blood laufen momentan bei uns über den Schirm.

Zu Weeds muss man nicht viel sagen: Viele schöne, supercoole Menschen mit gaaanz dramatischen Problemen. Schlechtes Drehbuch, schlechte Darsteller, Story nicht mehr vorhanden. Aber, immer noch besser als Scrubs, so traurig das klingen mag.

True Blood hingegen. Das ist was anderes. Denn da wird gebissen und gesaugt und gemordet. Die Frauen recken ihre Hälse, Männer graben ihre Zähne in frisches Fleisch und das Blut spritzt. Sehr schön. Und dann dieser wundervoll dümmliche Südstaaten-Akzent. Einfach großartig. Und ich würde behaupten, sogar gesellschaftskritisch. Bestimmt.

Und das Intro ist einfach nur „wicked“, wie flosi sagen würde. Achtet auf den Fuchs, sooo gut.

Schade, dass die Optik der restlichen Serie da nicht mehr ganz mithalten kann, aber es gibt ja noch Sopranos (J. besteht darauf, eine zweite Runde zu drehen).

Ach ja: Wo wir bei geilen Intros und geilen Serien sind. Doof, dass es Deadwood nicht mehr gibt.

Zugegeben: Die Intros von Weeds waren auch gar nicht mal schlecht, wenn auch das Getrickse mit den Masken bei genauem Hinsehen auffällt.

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Alle hassen Sarah

Mai 6, 2009 · Kommentar schreiben

Da ich letztens ja Sarah Kuttners ersten Roman gebasht habe, muss ich es hier noch mal klar stellen: Ich finde Sarah Kuttner eigentlich total genial. Kuttner ja oder nein, das ist ne Glaubensfrage. Ich sage: Jaaaa!

Trotzdem gibt es natürlich viele Gründe, sie nicht zu mögen. Am schlimmsten ist sicher, dass sie stinkt und beim Sex immer so viel labert:

Was habe ich diese Sendung geliebt.

Naja. Ihr seht, ich bin zu faul, was Richtiges zu bloggen und greife daher ganz billig zu fertigem YouTube-Stoff. Egal, macht doch Spasss!

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lonelygirl15 is back

April 16, 2009 · Kommentar schreiben

Nein, das stimmt so nicht ganz. Aber die wunderbare, leicht verwechselbare Neuseeländerin Jessica Rose ist seit der Skandal-Youtube-Serie lonelygirl15 auch weiterhin mit mäßigem Erfolg als Schauspielerin tätig (siehe imdb-Profil).

Gestern habe ich sie zufällig im Trailer zu „Perfect Sport“ gesehen, erst nicht wirklich einordnen können und dann ziemlich laut lachen müssen, als ich das ehemalige lonelygirl in ihr erkannt habe.

Der Film ist (aus dem Trailer zu schließen) kamera-und schnitttechnisch eher schrottig, pseudo-kritisch und nicht unbedingt mit großartigen Schauspielern (Jessica Rose) ausgestattet.

Aber, bei den Apple-Trailern hat eine Demokratisierung stattgefunden und daher darf man sich nun auch miese Trailer von miesen, miesen Schrott-Filmen ansehen, ohne sie sich versehentlich in einer Sneak Preview reinziehen zu müssen. Sehr schön.

Einen anderen, viel witzigeren Film habe ich übrigens auch entdeckt: Ein geiler Film mit Michael Cera (kennt man hoffentlich, unbedingt aus der wundertollen „Ich-schmeiß-mich-weg-klopf-mir-auf-die-Schenkel-und-mach-mir-in-die-Hose-so-sehr-muss-ich-lachen“-Serie Arrested Development, aber wahrscheinlicher aus dem auch sehr okayen Film „Juno„).

Der Junge ist, gelinde gesagt einfach nur genial. Der liebenswerte Nerd ist seine Paraderolle – ähnlich wie Woody mit seinem Neurotiker wird er da wohl auch nicht mehr rauskommen, denke ich.

Ach ja, der Film heißt übrigens Year One und macht in den ersten Sekunden des Trailers einen eher billigen „Filmgenre-Verarschungs-Streifen“-Eindruck, überzeugt dann aber sofort mit charmantem Witz (Michael Cera ist der Größte). Muss ich mir UNBEDINGT ANSCHAUEN.

(Zumindest mir) bekannterer Cast übrigens außerdem: Jack Black (den mag ich nicht sooo unbedingt gerne) und die hübsche Frau Doktor Prinzessin Olivia Wilde (ich seh da immer House vor mir, leider. Mal abwarten, ob ich das im Film vergessen kann).

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Aus der Textwerkstatt

Januar 24, 2009 · 1 Kommentar

Achtung: Für ein Blog eine viel zu lange Filmkritik, bezogen auf einen längst uninteressaten Film. War ne Textwerkstattaufgabe (die nicht-korrigierte Fassung – authentisch und so). Wiederverwertung ist was Schönes, vor allem, wenn man so seine Hass-Botschaft unter die Leute bringen kann.

Denn er wusste nicht, was er tat

„Die fetten Jahre sind vorbei“ – ein brutal dummer Film über sanfte Revolte

„Das System ist irgendwie gemein und so, vielleicht.“ Ach, hätte der Regisseur Hans Weingartner seine Protagonisten mit einem vergleichbaren Satz schon in der ersten Minute die Essenz des Films verraten lassen! Man hätte sich die restlichen 126 Minuten von „Die fetten Jahre sind vorbei“ getrost sparen können. Doch, statt uns vorzuwarnen, führt der Tiroler Ex-Schilehrer standesgemäß seine Charaktere ein:

Der zwanzigjährige Jan (Daniel Brühl) ist ein zurückgezogener, melancholisch-aggressiver Bastler und wohnt in einer Berliner Gammel-WG mit Peter (Stipe Erceg). Der hat alles: das Aussehen, die Lebensfreude, die hübsche Freundin (Julia Jentsch). Eines haben sie gemeinsam: Den Hass auf „die da oben“, die „Manager“ die „Banker“. Bei nächtlichen Einbrüchen in die schönsten Villen der Berliner Nobelvororte, lenken sie diese Wut in kreative Bahnen. Sie hängen Bilder ab, stapeln Biedermeierstühle, verstecken die Stereoanlage im Kühlschrank – aber sie klauen nichts. Nur eine Botschaft hinterlassen die „Erziehungsberechtigten“: „Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zu viel Geld“.

Noch kann uns der Film täuschen. Sollen uns diese verlorenen Großstadtkinder wieder sehend machen für die wirklich wichtigen Dinge? Will Weingartner uns einen Weg aus dem Konsumterror zeigen, ist das der deutsche „Fightclub“? Nein, ist es nicht.

Denn jetzt betritt Jule die Bühne – Peters hübsche Freundin. Vom Leben gezeichnet, weil sie ohne TÜV und Haftpflichtversicherung einem „scheiß Manager“ die S-Klassse zerschrottet hat. Um den Schaden abzuzahlen, arbeitet sie von früh bis spät als Kellnerin in einem Nobelrestaurant – ständig umgeben von der mäkelnden, eiskalten Oberschicht. Kein Wunder, dass sie dem „reichen Arschloch“, Justus Hardenberg, das heimzahlen möchte, als sich die Gelegenheit bietet.

Wie praktisch, dass Peter gerade in Barcelona ist, Jan sich sowieso schon vollends in die Freundin seines besten Freundes verknallt hat und sie daher übermütig in die nächtlichen Aktionen der kleinen Stadtguerilla einweiht. Beim Einbruch in die Villa Hardenbergs landen schließlich nicht nur dessen Designersofa, sondern auch die verboten Verliebten im Innenpool. Das Ende vom Lied: Einbrechen und Ficken verträgt sich nicht.

Durch einige blöde Zufälle, muss der Familienvater Hardenberg bei einem zweiten Einbruch überwältigt und der ahnungslose Peter in die vertrackte Lage eingeweiht werden. Mit ihrer Geisel machen sich die drei im blauen VW-Bus auf nach Tirol – zu einer Berghütte inmitten einer idyllischen Almenlandschaft über dem Achensee.

Nun erwartet man die Eskalation: Ein von der Welt enttäuschtes, sexuell aufgeladenes Dreigespann, eine versnobte Geisel als Störfaktor, eine Waffe, die Peter so nebenbei auf den Tisch knallt. Das muss doch explodieren. Doch es passiert…nichts. Und das bis zum Schluss.

Hardenberg entpuppt sich als weichgespülter 68er, der eigentlich gar nicht mehr so recht weiß, wie er zum Spießer mutiert ist und mit seinen Entführern entspannt Marmeladenbrote schmiert. Ein kurzes, verstammeltes Aufbegehren bei einer nächtlichen Klassenkampf-Diskussion am Küchentisch ist alles, was dieser Mann den drei naiven Idioten entgegenzusetzen hat. Das Blitzen in den Augen, ein knappes „Du hast doch keine Ahnung“, während sich der Zuseher angesichts dieser gedehnten, intellektuellen Folter unter Qualen zum Weitersehen zwingt.

Die politischen Plattitüden und Pauschalisierungen, mit denen Weingartner arbeitet, die oberflächliche Ausarbeitung der Charaktere, die fehlende Motivation für ihr Handeln – das macht es den Darstellern schwer, sich zu entwickeln. Sie müssen sich im Film selbst erklären und werden so zu hölzernen Marionetten des Regisseurs.

Dieser Film hätte ein nachdenkliches Gesellschaftsdrama werden und Vorbilder wie „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ wieder aufleben lassen können. Doch Weingärtner bewirft den Zuseher mit Fetzen einer Aussage – wie eine betrogene Ehefrau, die ihrem Ex-Mann die Plattensammlung hinterher schmeißt.

Vielleicht ist das die große Gefahr bei Autorenfilmen: Der Autor muss dem Regisseur nicht verklickern, worum es ihm eigentlich geht – schließlich ist er selbst der Regisseur und meint, er wüsste das schon ganz genau.

Leider verspottet Weingartner die Kunst der bewegten Bilder aber auch mit jedem Schnitt und jeder Einstellung: Die nervige Handkamera, die wohl einen dokumentarischen Eindruck erwecken und irgendwie avantgardistisch sein soll, kann über die filmische Einfallslosigkeit nicht hinwegtäuschen. Im Gegenteil schreit Weingartner uns mit jedem verwackelten Schwenk über das traumhafte Bergpanorama seine Unlust ins Gesicht.

Dass er in dramatischen Momenten die zarten Melodien des toten Jeff Buckley missbraucht, um die emotionale Leere seines Drehbuchs zu füllen – das tut allerdings am meisten weh.

„Die Fetten Jahre…“ ist vorbei? Endlich.

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Genug gehaselnusst

Februar 9, 2008 · 7 Kommentare

378791040_5e8f5c18d9.jpgUm mit vorschnellen Schlüssen von vornherein aufzuräumen: Ich bin echt kein Kaffee-Fundi und trinke auch mal die Brühe aus dem Uni-Automaten.

Aber gestern bin ich wieder einmal in den Genuß vollendeter Kaffee-Kultur gekommen. Tatsächlich war sie voll am Ende. Haha. Ich hasse Starbucks.

Früher haben mich diese vollverglasten Franchise-Läden mit dem grünen Markenzeichen magisch angezogen.

Jedes Mal, wenn ich Witz-Großstadtmädchen in eine echte Großstadt gekommen bin, hat mich eine klischeehaft imaginäre Nebelhand gepackt und mich nicht wieder losgelassen, bis ich einen Grande Irgendwas mit Nüssen und Caramel schlürfte und um fünf Euro ärmer war.

Inzwischen sollte ich es besser wissen. Und trotzdem tappe ich immer wieder in die Falle.

Erstmal mag ich diese Selbstbedienungskultur nicht mehr so gern wie früher. Wenn man mal etwas später zu einer Verabredung kommt, sitzt der andere blöd am Tisch und darf warten, bis man es endlich geschafft hat, eine dieser Kaffeekreaturen in der Monstertasse zu ergattern. Das nervt.

Starbucks erinnert überhaupt auch kalorientabellarisch an die großen Fastfoodketten. Wer einen Frappuchino mit 800 Kalorieen schlürft, sollte nicht mit dem Finger auf Burger verschlingende extra-large Familien zeigen. Aber es gibt jetzt ja auch Skinny Starbucks. Toll.

Dann hasse ich auch die Namen der verschiedenen Heiß- und Kaltgetränke, die da angeboten werden. Starbucks tut furchtbar italienisch. Ist es aber nicht. Ein Tee, der Tazo® Iced Chai Tea Latte heißt, wird nie über meine Lippen kommen.

Und warum fragt ihr mich nach meinem Vornamen und brüllt ihn dann in voller Lautstärke durch das ganze Café? „Einmal Grande Wait Tschockolat Frappuchino no wippp für genickstarre bitte.“

Der Nachteil der pseudo-italienisch-amerikanischen Namensgebung und Personalpolitik: Außer in London, war ich noch nie in einem Starbucks, in dem die „Barista“ wenigstens die Hälfte der eigenen Kaffeekreaturen aussprechen konnte.

Ich hasse Starbucks. Und teuer ist es da auch.

„Äh ja, einen Grande Expressotschino häselnat froßen wippped white tschockolät crieme, bitte. Tu go. Gratziä.“

Foto: Scott Beale / Laughing Squid, laughingsquid.com.

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Go Tigers!

Januar 1, 2008 · 4 Kommentare

Wir haben es hinter uns. Der Jahreswechsel ist vollzogen, wir sind gerutscht. Eine andere Tradition der Weihnachtsferien möchte ich auch nicht missen: Schlechte Feiertags-Filme schauen.

Tendenziell Produktionen, bei denen sich ein ausgebrannter Drehbuchautor nach einer durchgekoksten Nacht sagt: „Hey, wie wär’s mit einem neuen Highschool-Film?“ oder “ Mal wieder was mit einem Baseball spielenden Müllmann zu drehen, das hätte schon was!“. Dann macht er sich auf, seinen ebenfalls verkoksten Produzenten-Kollegen von seinem garantiert noch nie dagewesenen Plot zu überzeugen.

Die Story:

Ein abgehalfterter, alleinstehender Eishockey-Trainer (gerne aber auch Basketball, Baseball oder Football) wird zu einem hoffnungslosen, wahlweise afro- oder lateinamerikanischen Nachwuchsteam einer öffentlichen Highschool berufen. Anfangs sagt er noch bei der Besprechung mit dem Direktor, der früher mit ihm aufs College gegangen ist: „Bill, du weißt, was 85 passiert ist. Ich habe geschworen, dass ich nie wieder ein Team trainieren werde. Ich bin fertig mit Eishockey.“ Aber Bill sagt nur: „Was damals passiert ist, war nicht deine Schuld. Lass es hinter dir. Eishockey ist dein Leben, du willst doch nicht ewig Traktoren-Mechaniker bleiben. Komm schon, du hast es immer noch drauf!“

Schließlich sagt Joe, der Trainer, zu. Die Kids, natürlich aus ärmlichen Verhältnissen, aber wahre Talente, hören gerüchteweise, dass der ehemalige Trainer der NY Bulls ihr neuer Trainer werden soll und geraten in helle Aufregung.
Nur einer bleibt misstrauisch, denn er ist zu oft enttäuscht worden: Jason. Der Mannschaftskapitän ist ein hübscher, aber schwer gestörter Junge, der seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat und nun bei seinem immer noch sehr rüstigen und mit weisen Sprüchen ausgestatteten Großvater lebt.

„Da kommt die erste Krise“, wird der Drehbuchautor bei einer Line zu seinem Produzenten-Kollegen sagen, der früher Pornos mit texanischen Hausfrauen gedreht hat. Natürlich stiftet der aufmüpfige Jason das restliche Team an, gegen den neuen Trainer zu rebellieren. Joe, der Trainer, muss ihnen erst beweisen, dass sie ihm vertrauen können. Doch er weiß nicht wie. Weil mit Kindern konnte er noch nie so recht.

Um einen klaren Kopf zu bekommen fährt er zu seinem Vater auf den heimatlichen Hof und drischt auf den Punchingball im Heustadel ein, während, in Scharz-Weiß oder Sepia, Erinnerungen an seine Kindheit und Sportlerkarriere auftauchen, die immer wieder durch aussagekräftige Zeitungsschlagzeilen untermalt werden.
Endlich erfährt der Zuschauer auch, warum er 85 mit Eishockey aufgehört hat: Damals ließ er seinen besten Spieler, der einen Herzfehler vor ihm verheimlicht hat, das Länderspiel bis zu Ende bringen, obwohl er beobachtet hatte, wie dieser von einem Schwächeanfall in der Umkleide fast zusammenbrach.

Jetzt kommt Joes Vater in den Stadel und zeigt ihm, wie man richig boxt. Er war immmer schon Perfektionist und pushte seinen Sohn, wo er nur konnte. Vermutlich, weil bei einem Unfall, als er ein kleines Mädchen gerettet hatte, seine rechte Kniescheibe zertrümmert wurde und er deshalb nie wieder spielen konnte.
Nach anfänglichen harten Sprüchen seinem Sohn gegenüber, erinnert er diesen an einen kalten Wintertag, an dem er den jungen Joe bis zur absoluten Erschöpfung über den gerforenen See ihres kleinen Ortes gejagt hatte und beide dennoch unendlich glücklich waren. Und das, obwohl doch Joes Mutter erst zwei Monate zuvor an Leukämie gestorben war. Die beiden schwelgen in rührseeligen Erinnerungen und schließlich kommt es sogar zum ersten Mal seit langem zu einer Umarmung.

Seelisch so gestärkt fährt Joe zurück zu seinem Team und erklärt den benachteiligten Talenten, dass er sie nicht aufgeben wird und mit Ihnen für die Landesmeisterschaften bis zum Ende kämpfen wird. Plötzlich interessiert sich auch die blonde Schulpsychologin für den rauen, aber romantischen Eishockey-Trainer und eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich.
Alles läuft gut. Untermalt von einem griffigen Popsong, sieht man die Kids jene lustigen und pädagogisch innovativen Übungen machen, die ihnen ihr neuer Trainer mit einem Dauerlächeln und aufmunterndem Klatschen gibt. Selbst der dicke, tollpatschige Tommy schafft es endlich, die harten Schüsse des aufmüpfigen, einzigen Mädchens im Team, zu halten.
Die Tigers gewinnen die ersten Spiele, man hört den Schiedsrichter pfeifen, die Menge toben und auch Jasons Opa wird immer wieder mal in Großaufnahme gebracht. Natürlich alles in Verbindung mit dem nächsten, mitreißenden Popsong.

Das Team steht kurz vor dem Finalspiel gegen eine private Highschool, die bisher jede Meisterschaft gewonnen hat, weil sie erstens reich, zweitens groß und bullig und drittens natürlich total unfaire Spieler sind. Muss man noch erwähnen, dass der Trainer dieser Mannschaft Joes Erzfeind ist, der nun zusätzlich versucht, ihm seine neue Freundin, die Schulpsychologin, auszuspannen?

Alles steht unter Hochspannung und plötzlich, eine Stunde vor Spielbeginn passiert es: Jasons Großvater hat eine Herzattacke und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Jason fährt mit und sagt Joe unter Tränen, dass er nicht spielen wird, weil sein Großvater im Krankenhaus liegt. Er wolle ihm „Goodbye“ sagen können, falls dieser sterben sollte. Nicht so, wie damals bei seinen Eltern, für deren Tod er sich verantwortlich fühlt, weil sie trotz eisiger Straßen Auto gefahren waren, um ihn vom Eishockey-Training abzuholen.

Währenddessen hat das Spiel schon angefangen und die Gastmannschaft macht Joes Team so richtig fertig. Ohne ihren Kapitän sind die Tigers nichts. Jason kann über die Live-Übertragung auf dem kleinen Krankenhausfernseher alles mitverfolgen und wird immer unruhiger. Da nimmt sein Großvater seine Hand und bittet seinen Enkel, für ihn die Landesmeisterschaften zu gewinnen. Nach einer actiongeladenen Fahrt schafft es Jason schließlich noch rechtzeitig, das Spiel umzudrehen. Punkt um Punkt kommt das Team dem Sieg näher, bis ihn der Kapitän der anderen Mannschaft durch mehrere Body-Checks außer Gefecht setzt. Die letzte Minute ist angebrochen, alle, natürlich auch die blonde Schulpsychologin, zittern für „ihre Tigers“. Der Moment ist gekommen, für den tollpatschigen Tommy, endlich einmal seinem Team etwas zurückzugeben. Er stürzt sich auf den gefürchteten Kapitän der Gegner, damit die selbstbewusste und toughe* Lizzy das entscheidende Tor schießen kann. Alle stürzen von den Tribünen aufs Eis, die Schulpsychologin springt Joe an, der ihr seinen Wohnungsschlüssel gibt und sich endlich fest binden will. Jason wird von einem Talent-Scout angesprochen und der Großvater im Rollstuhl auf Schienen topfit übers Eis geschoben…

„Tata!“ sagt der Drehbuchautor nun und sein Produzenten-Kollege klopft ihm auf die Schulter. „Ja, echt guter Plot. Das machen wir so. Ich frag mal Claudia, ob sie Travolta für die Finanzierung kriegt“

Und ein neuer Feiertagsfilm ist geboren.

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Sollte ich irgendwelche Eishockey-technischen Fehler gemacht haben, bitte nicht kleinlich sein. Hier geht es doch nicht um Sport. Hier geht es um Freundschaft, Toleranz, Teamgeist, Vertrauen, Disziplin…

*Darf man englische Wörter eigentlich so unverschämt eindeutschen? Wohl kaum.

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Dresdner Schnauzen

November 25, 2007 · 2 Kommentare

Ich hasse Tiere.

So, jetzt lassen Sie das ein bisschen auf sich wirken. Wollen Sie diesen Artikel wirklich weiterlesen? Wollen Sie dieses Blog überhaupt jemals wieder eines Blickes würdigen? Diese teuflische Ausgeburt an Web 2.0 Anti-Tier-Propaganda?

Hinter Gittern

Keine Angst, ich mache es Ihnen leicht. Ich hasse Tiere nicht. Ganz im Gegenteil. Ich liebe Tiere. Wer denn nicht? Sie haben meist ein kuscheliges Fell, niedliche kleine Pratzen und können einem mit ihren großen Augen dirket in die Seele schauen. Vor allem diese putzigen, kleinen Kapuzineräffchen haben es mir angetan, die sie im Dresdner Zoo haben….Halt! Woher weiß ich das? Ich war doch noch nie in Dresden. Hm…

Das muss ich wohl in „Dresdner Schnauzen – Zoogeschichten aus Sachsen im ZDF-Nachmittagsprogramm aufgeschnappt haben. Oder war es doch auf VOX in „Wildes Kinderzimmer“? „Wolf, Bär & Co“ im HR oder „Menschen, Tiere und Doktoren“ sind eher unwahrscheinlich, da geht es nicht so exotisch zu. „Kater, Mops&Papagei“ im 3sat läuft nur einmal. Da freu ich mich aber schon ganz wild drauf, geht ja um ein Darmstädter Tierheim…Bliebe eigentlich nur noch „Seehund, Puma & Co“. Kann aber nicht sein, weil ich mir da immer „Auf und davon-Mein Auslandstagebuch“ auf VOX reinziehe (Goodbye Deutschland geht mir ziemlich ab).

Tja, ich glaube, ich kann es Ihnen nicht mehr verheimlichen. Heute rege ich mich mal ein bisschen über’s Fernsehen auf und schieße sogar noch ein wenig Gesellschaftskritik nach. Muss es denn wirklich sein, dass ich, wenn ich aus purer, asozialer Langweile meine Fernsehkarte aktiviere, nichts anderes zu sehen bekomme als wimmernde kleine Fellbüschel und Familien auf deutschen Flughäfen, die ihre verzogenen Gören nach Malaysia verabschieden?

Nicht genug, dass man den Dageblieben beim Dinner kochen, Wohnung kaufen, Haus/Garten/Garage/Kinderzimmer „verschönern“ oder der Ausübung ihrer hochspannenden Berufe (Polizist in St. Pauli, keiner möchte diesen Job, aber einer macht ihn: Bernhard W. aus Hamburg) zusehen muss, jetzt langweilen mich sogar deren zahnbespangte Sprösslinge im Ausland: „Ja, meine Gasteltern sind sooo nett. Leider habe ich noch keine Freunde gefunden, aber das geht in vier Monaten natürlich nicht so schnell. Anne und Mathew helfen mir da durch. Alles Super!“

Zurück zu den Tieren. Mit offenem Mund muss ich verfolgen, wie ein zwei Meter Hühne, mit Händen groß wie Brotlaibe, ein fünf Zentimeter kleines Äffchen mit einer Pipette füttert. „Der kleine Manolo wurde von seinen Eltern verstoßen. Aber das macht nichts, denn Ziehpapa Manfred kümmert sich rührend um den kleinen Fratz.“ Auf anderem Sender kratzt gerade Tierarzt F. einem Pony den Eiter-Huf aus. Schnell ein Schnitt auf das tränenverquollene Gesicht einer fünfjährigen Jungbäurin, die mit einem strahlenden Lächeln in die Kamera lispelt: „Ich bin sooo froh, dass der Dokotor Frank meine Lolita gerettet hat. Jetzt kann ich endlich wieder reiten!“

Da keimt in mir die Frage auf, ob man denn der lieben Lolita vielleicht nicht den Eiter aus dem Huf hätte kratzen müssen, wenn sie nicht ihr halbes Leben in einer Box voll mit ihrer eigenen Scheiße gestanden wäre? Aber solche Annahmen habe ich mir veterinärmedizinisch leider überhaupt nicht absegnen lassen. Auch stimmte mich der leise Zweifel nachdenklich, ob denn ein erwachsener Mann wirklich über einen Monat lang jede Nacht fünfmal austehen müsste, um dem Manolo seine vier Tropfen Milch zu geben, weil ihn seine Eltern verstoßen haben, wenn dieser nicht in einem sechs Kubikmeter großen Glaskäfig zur Welt gekommen wäre?

Ist aber auch egal. Wir lieben Tiere. Nicht wahr?

Scheintot

Original Zitat aus „Seehund, Puma & Co“, als Puma Mingo zum Fressen (oder war es Fortpflanzung?) in den Käfig geführt wird:

„Doch Darsteller Mingo fühlt sich nicht ganz Drehbuch“

Das ist nur die Spitze des Eisbergs, glauben Sie mir.

Lethargie

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