Genickstarre

Einträge werden als ‘Uncategorized’ kategorisiert

„Friedhof der Vergnügungen“

Juli 2, 2009 · Kommentar schreiben

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , ,

The Gossip

Mai 22, 2009 · 3 Kommentare

Gestern waren Flo, Anke und ich auf dem The-Gossip-Konzert in der Mannheimer Feuerwache. Flo wollte „die Fette vom Love-Cover“ sehen, Anke sagte „Hauptsache Beth Ditto“ und ich freute mich auf Tanzbares und ausnahmsweise mal dünner zu sein als die Sängerin.

Die Vorband war… bla bla, uninteressant. Obwohl erst spät gekommen, standen wir schlussendlich in Reihe zwei – das Publikum war recht locker verteilt. Und dann ging es auch schon los: Beth kam in einem bunten Paradiesvogelkleid auf die Bühne gehüpft, die Menge tobte.

Wir waren alle fasziniert. Von dieser unglaublichen Masse in Kombination mit einer großartigen Stimme und einem Elan, den ich bisher selten auf der Bühne gesehen habe. Das Kleid kam bald in den Backstage-Raum, ab jetzt würde es in einem schwarzen Satin(?)-Body weitergehen: „Does my vagina look fat in this outfit? I have a huge vagina“ – einfach großartig. Vor uns tanzten moppelige Fans, nicht nur auf der Bühne quoll das Fett. Alle hüpften, alle schwitzten, alles war scheiß egal. Wir verloren uns in der Musik und die Band tat alles, um den Abend einzigartig erscheinen zu lassen.

Für uns jedenfalls wurde er das. Kurz vor Ende, bei „Standing in the Way of Control“ kletterten ein paar Mädels auf die Bühne und wir bald hinterher. Oben tanzten schließlich zwanzig klatschnasse Leute Arm in Arm mit Beth und schrieen sich die Seele aus dem Leib. Ich fürchte, ich bin ihr sogar einmal leicht auf den nackten Fuss gehüpft, aber hatte Gott sei Dank nur ganz dünne Ballerinas an. Beth kletterte dann irgendwann von der Bühne und sang in der Menge weiter, oben war es viel zu voll.

Von der ganzen Aktion gibt es bestimmt viele Fotos, wir hatten keine Kamera dabei und das ist auch in Ordnung. Sogar für Flo, dem seine Canon eigentlich schon mal an die Hand anwachsen hätte müssen.

Nach dem Konzert schalteten Anke und Flo auf Groupie-Modus um und klauten alles, was nicht niet-und nagelfest war. Ein Handtuch mit Beths Fußabdruck, eine handgeschriebene Setlist und ein Poster zieren wohl bald die künftige gemeinsame WG.

Ach ja: Die Feuerwache ist eine durchaus zu empfehlende Location.

Ach ja, ach ja: Flo hat zu diesem geilen Abend ebenfalls einen Blogeintrag verfasst.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , ,

Der Franz hat’s drauf

April 30, 2009 · 1 Kommentar

Das neue Album soll ja angeblich nur so lala sein hab ich irgendwo gelesen und noch nicht nachgeprüft. Aber das muss man ihnen lassen: Franz Ferdinand waren Teil einer musikalischen Lawine – 04/05 war eine gute Zeit. So lange her schon wieder. Hmpf.

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , ,

Top Top Topshohop

April 29, 2009 · Kommentar schreiben

Ich habe bestellt und schäme mich kein bisschen. Bäh.

topshop_bestellung

Der Mantel war um die Hälfte reduziert – da musste ich schnell zugreifen. Hab mich gefühlt wie am www-ühltisch (dieses super-intelligente Wortspiel stammt von Tobi, der mir beim Tussi-Blogging wordingtechnisch unter die Arme greift).

topshop

Ja, ich hab mich bei den Blumen hinreißen lassen.

topshop3

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen:

Der Tag, an dem ich – ohne es zu merken – Angela Merkel hätte anrempeln können, wenn ich es denn gewollt hätte.

April 13, 2009 · 7 Kommentare

golfo_seite3

Ischia war sehr erholsam – nicht nur für mich.

Auch la Grande Dame, die Bundeskanzlerin, beliebt seit Jahren für einige Tage auf der schönen Insel zu verweilen. Habe ich mir sagen lassen. Unter anderem von G., unserem Fischer und Superkoch aus Succhivo, der „la Merkel“ schon mal morgens zum Fischen mit aufs Meer genommen hat (als sie im Polit-Business allerdings noch nicht so hoch oben war). Angesichts des winzigen Bötchens muss ich sagen: Nicht schlecht, da sollte man schon seetüchtig sein.
G. ist übrigens natürlich ganz Gentleman und verrät ansonsten rein gar nichts über den morgendlichen Ausflug mit der Kanzlerin.

Zurück zum Tag, an dem ich – ohne es zu merken – Angela Merkel hätte anrempeln können, wenn ich es denn gewollt hätte:

Nach unserer Ankunft am Mittwoch war das baldige Eintreffen von „la Merkel“ schon Tagesgespräch, der alte Fiore hat uns – in seiner Funktion als Zeitung von Succhivo – als erster davon berichtet. Bei uns löste das erst ein kurzes Achselzucken aus und dann machten wir ab und an ein paar Witzchen. Bestimmt würden wir uns eine Therme mit ihr teilen und von Liegestuhl zu Liegestuhl über den besten Heil-Ton mit ihr quatschen…bla bla.

Dass wir ihr tatsächlich begegnen würden, hätten wir natürlich nie vermutet. Ihr Hotel war an allen Eingängen mit Wachpersonal ausgestattet; traut man dem heißesten Dorf-Tratsch soll sie mit einem Gefolge von etwa 40 Mann auf der Insel angekommen sein. Ganz glauben kann und will ich das nicht – wenn ich für meinen Osterurlaub 40 Leute mitnehmen müsste, wäre bei mir der Spaß auch schon wieder vorbei. Beneidenswert wäre das meiner Meinung nach jedenfalls nicht.

Ach so, zum eigentlichen Ereignis: Wir waren den ganzen Tag wandern (vom Witzberg Epomeo bis zur Küste nach Sant’Angelo durch eine Auto-Schrott-Schlucht mit Dornen, gestürzten Bäumen und allem, was dazu gehört) und treten dann nach einer abendlichen Runde im Meerwasser-Pool den anstrengenden Heimweg zum leckeren Thunfisch-Essen an (frisch gefangen vom lieben G.).

Irgendwo auf den engen Treppchenwegen zwischen Sant’Angelo und Suchivo verstummt plötzlich das Gespräch von J. und meinem Schwager J. („Hast du Herr der Ringe gelesen?“ – „…“). Ich, ganz vorne, Blick aufs glitzernde Meer und den Hügel von Succhivo gerichtet, erschöpft von sieben Stunden Wandern, den Thunfisch gedanklich schon fast im Mund, nehme nur im Augenwinkel ein mittelaltes Paar wahr – ganz vertieft in ein Gespräch – und weiche aus.

Etwa hundert Meter weiter unten brechen meine Begleiter in schallendes „Wie-geil-ist-das-denn“- Lachen aus und bevor ich eigentlich richtig kapiere, was gerade passiert ist, stampfe ich auch schon in Rumpelstilzchen-Manier übers Pflaster.

Wer weiß, ob ich Frau Merkel nicht irgendwann mal bei irgendeiner semi-wichtigen Pressekonferenz wieder sehen kann, hochoffiziell und in ihrer Funktion als Politikerin. Aber, so ganz privat im Urlaub, entspannt mit ihrem Mann beim abendlichen Spaziergang an der Küste – wohl kaum.

Aber, sage ich nun im Nachhinein – viel gereifter durch meinen Senioren-Urlaub – das macht eigentlich nichts. Die ganze Sache hat nämlich nur Sekunden gedauert und selbst, wenn ich hingeschaut hätte, wäre es nur ein verdammt witziger, aber ziemlich banaler Zufall gewesen, the one and only Angela Merkel im Urlaub zu treffen. Nicht mehr.

So habe ich den noch viel schöneren Zufall erlebt: Zur selben Zeit Urlaub auf derselben Insel, am selben Ort, am selben Abend zur selben Sekunde auf demselben Treppchen mit der Bundeskanzlerin – und dann auch noch nicht hingeschaut. Sowas erlebt man nur einmal.

Ach ja: Am Freitagabend auf den Treppen nach Sant’Angelo hatten sie und ihr Mann wohl nur einen Security dabei, der einsam hinterher latschte – ganz privat also.

Ach ja Nr. 2:  Sie sah angeblich genauso aus, wie im Fernsehen und auf den Fotos, sagen die Jungs. Aha.

—————————————————————————————–

Inzwischen habe ich mal nachgegooglet und bin ganz erstaunt, was der Urlaub der Kanzlerin für ein medialer Dauerbrenner ist. Von „Osterloch“ kann man angesichts viel wichtigerer Themen ja nicht gerade sprechen.

Das mit den 40-50 Mann Begleitung stimmt leider wohl auch…

Dass G. trotz Kanzlerin noch entspannt rauchen konnte, zeigt mal, wie gelassen die Fischer sind (man sieht ihn nur halb und das finde ich eh gut, passt besser zum mysteriösen G.). Alles weitere findet ihr hier und hier.

—————————————————————————————–

Das ist das hübsche, noch nicht restlos vom Tourismus zerstörte, Sant’Angelo von oben:

santangelo

————————————————————————————

Auf die Titelseite des „Golfo“ hat es übrigens nicht die Kanzlerin, sondern ein sechs Meter langer, toter Walhai gebracht:

walhai

Kategorien: Uncategorized

Ciao Bella

April 5, 2009 · Kommentar schreiben

Eigentlich sollte ich gerade einen tiefsinnigen Abschiedsbrief an meine Freundin in Wien schreiben, aber irgendwie habe ich so gar keine Lust dazu. Ich habe die passende Trauermusik aufgelegt, ein bisschen melancholisch in die Sonne geblinzelt, ihre eiskalte „Es-ist-aus-mit-uns“-SMS noch mal gelesen und bin ganz fest in mich gegangen. Eigentlich könnte ich jetzt anfangen.

Aber, wie soll ich acht lange Jahre, fast unser halbes Leben, in Worte fassen? Wie soll ich es schaffen, ihr keine Vorwürfe zu machen und mich damit erst recht zu demütigen, wenn sie es doch ist, die sich von allen einfach so lossagt und ganz bewusst harte Worte wählt, um anderen weh zu tun?

Ich werde diesen Brief wohl noch ein wenig vor mir her schieben. Die Musik lasse ich laufen, ein bisschen Melancholie am Nachmittag ist doch was Schönes.

—————————————-

Nachtrag: Jetzt läuft gerade „Losing A Friend“ von The Cardigans.

Kategorien: Uncategorized

Spitze Spatzen

März 10, 2008 · Kommentar schreiben

1591512783_57531101f6.jpg

Damit ihr nicht glaubt, bei mir ginge es nur um die oberflächlichen Vergnüglichkeiten der Filmindustrie. Nein, ich kann auch tiefgggrrründiggg:

Ich stehe in einem Park, die Dämmerung bricht herein (warum eine Dämmerung bricht und nicht einfach kommt, ist mir übrigens ein Rätsel). Eine unglaublich riesige Vogelschar siedelt sich in den dünnen Ästen der verschiedenen Parkbäume an. Ich denke mir: „Das sieht aus, wie tausende Blattläuse auf einem Blatt, oder wenn diese Millionen Schmetterlinge einmal im Jahr in diesem einen Wald in den Bäumen hängen, oder eine Ansammlung von Fledermäusen…“ Naja, ich will es also fotografieren und stelle mich drunter. „Plllpfff“. Scheiße auf meinem Mantelarm. Ein fetter Tropfen Vogelscheiße. Ich finde das Weiße an der Scheiße übrigens viel ekliger, als den braunen Teil in der Mitte.

Naja, jedenfalls stehe ich da und denke mir: Warum gerade ich?

Menschen sind echt zu blöd. Da stellt sich eine unter einen Baum in dem geschätzte dreihundert Vögel sitzen und wird angekackt. Na logisch!

Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass ich mal meinen Mantel sauber machen sollte. Den ich nämlich beim Abwischen an einem Baum noch dazu mit grünem Moos versaut habe. Das Land dessen Flagge schwarz-weiß-braun-moosgrün ist, darf sich über eine Werbeträgerin freuen.

 Foto: ChazWags

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , , ,

Charakterschwächen

März 10, 2008 · 2 Kommentare

2161973120_4b5b962633.jpg

Vorgestern habe ich mir den oscar-gepushten Indie-Film Juno angesehen. Schauspielerisch hat es bei Ellen Page an manchen Stellen ein wenig gehapert. Jaaa, ich weiß, sie war für den Oscar nominiert und so. Wer jetzt denkt, er hat mich: Nein, natürlich habe ich mir den Film in der Originalverision angesehen.

Insgesamt war der Film aber äußerst berührend und hat den Oscar für das beste Original-Drehbuch schon verdient, wie ich finde. Sauberer Schnitt, schöne Farben, brave aber gute Kamera, tolle Musikauswahl (danke für Belle&Sebastian) und ein hinreißender Michael Cera taten das Übrige zu einem gelungenen Kinoabend. Hab schon lang nicht mehr so geheult bei einem Film, aber das liegt wohl am Wetter. Wirklich traurig ist Juno nämlich gar nicht.

Was mich aber zunehmend ärgert: Product Placement.

Leute, Product Placement ist KEIN ERSATZ für eine gute Charakterisierung. Bei dem inflationären Gebrauch von Apple-Placement frage ich mich inzwischen immer, ob Steve Jobs eigentlich euch einen Gefallen tut, wenn ihr seine Macs und iPods in euren Filmen verwenden dürft.

Ein MacBook Pro oder iMac in der Wohnung des Protagonisten ist für mich inzwischen zum absoluten Warnsignal geworden: Achtung, da war keine Zeit, die Charaktere sauber auszuarbeiten. Die werden nämlich vielleicht für peinliche Apple-Fundis beeindruckender, bleiben ansonsten aber leider flach und kalt.

Ist euch schon mal in den Sinn gekommen, dass man eine Person nicht nur über Produkte charakterisieren kann? Was ist denn das bitte für eine Aussage: Der hat eine Verpackung (!) der WMF 1 in seinem Hobbyraum stehen, der muss ja ein cooler Musiker sein???

Tut mir leid, aber da lege ich doch mehr wert auf gute Dialoge, gezieltes Kostüm und natürlich Setdesign. Aber auch ein sündteuerer Couchtisch wird mir zwar sagen: „Oh, der ist reich.“ Sympathie werde ich deswegen aber kaum für den Charakter entwickeln. Es ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die einen Filmhelden ausmachen, genau wie im richtigen Leben.
Daher war für mich bei Juno die Filmfigur Paul Bleeker am besten ausgearbeitet und hat mich am meisten berührt. Obwohl der lächerliche Hosen trägt und süchtig nach orangen TicTacs ist. Aber diesem Stottern kann doch keiner widerstehen. Mehr von Cera gibt es bei Arrested Development zu sehen, wo auch Jason Bateman die Hauptrolle hat.

Aber seht euch erst mal Juno an.

Foto: Steve Rhodes 

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , , ,

Säx sälls

Februar 29, 2008 · Kommentar schreiben

Heute haben wir endlich die Covers für unseren alten neuen Film gedruckt. Leider hatten wir aber keine DVD mit, um die Größe anzupassen. Also bin ich losgezogen, um eine Probe-Hülle zu besorgen.

Irgendwie hat sich wohl mein Belohnungs- „Ich gönn mir heute mal was“-Zentrum in meiner vertrockneten Hirnrinde eingeschaltet. Das Ergebnis: Eine Sommernachtssexkomödie mit und von Woody Allen. Angeblich ein Film „vom flirrenden Charme eines impressionistischen Gemäldes“.

 

Aber es heißt ja: „Traue nie einem  Buchrücken“. Da muss das wohl auch für Filme gelten. Allerdings weiß ich nicht, ob und wer jemals das mit den Buchrücken behauptet hat. Würde zum Beispiel jemand den entzückenden Rücken unserer DVD ansehen, wüsste er, dass wir bereits in Cannes und beim Sundance Festival offiziell gelaufen sind. Sich dann wundern und noch mal genau schauen:“Ach so, lief in Wanne und beim Farn-Fans Festival.“ Das kann schon mal zu Fehlkäufen führen.

 

Ich mach mir wegen der Sommernachtssexkomödie mal keine Sorgen. Erstens liebe ich Woody Allen (wäre ich ein paar Jahre jünger und etwas mehr seine Tochter, würde er mich vielleicht auch lieben) und zweitens liegt bei allem mit Sex im Titel die Latte erwartungsmäßig schon mal eher niedriger. Ich freu mich schon. 

 

 1448764995_a8658b7e522.jpg

 

 

Foto: cglosi 

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , ,

Thank you love, thank you life..

Februar 25, 2008 · 5 Kommentare

318678020_bcd10a48ba.jpg

Eine jährliche Tradition, der ich wohl auch noch mit achtzig fröhnen werde ist, mir die Oscar-Verleihung im Innsbrucker Metropol Kino anzusehen. Mit im Oscar-Paket waren drei frei wählbare Filme, unendlich Nachos und Popkorn und die Übertragung der Verleihung von Pro7.

Einen sanften Einstieg gönnte ich mir mit Charlie Wilsons War in der Originalversion. Sehr kurzweilig, aber nichts Besonderes. Die Szenen in den afghanischen Flüchtlingscamps wirkten angestrengt und alle Witzchen über Congressman Wilsons weiblich-attraktives Sekretariat waren niveaulos. Ach ja: Julia Roberts als Society-Lady? Ich könnte kotzen.

Eher harte Kost war dann der österreichische Beitrag Die Fälscher. Ganz ohne Patriotismus kann ich sagen, dass der Film die goldenen Statuette wirklich verdient hat. Natürlich gibt es Lästerzungen, die nicht zu unrecht behaupten, dass es sich mit Antinazi oder Antikommunistenthematik gut Oscars gewinnen lässt.

Doch die relativ unbekannte Geschichte der Geldfälschungsmaschinerie der Nazis in Sachsenhausen ist nicht nur wahr, sondern in Die Fälscher auch noch äußerst einfühlsam und vielschichtig erzählt. Der moralische Konflikt zwischen dem Überlebensinstinkt der KZ-Insassen und ihrer solidarischen Verantwortung gegenüber ihren Mithäftlingen und den anderen Opfern der Nazis wurde bis ins letzte Detail herausgearbeitet.
Drehbuch, Schauspiel und auch Bildsprache waren technisch wie künstlerisch überzeugend und mitreißend (besonderes Lob auch an die Beleuchter). Wie schon nach Der Pianist wurde mir wieder bewusst, dass man nie genug über den Holocaust geschrieben, gefilmt und geredet haben darf. Nach diesem Film fiel es mir schwer, nicht an der Geschichte zu verzweifeln. Ich hoffe, dass Herr Burger den Oscar als Zeichen werten kann, dass es noch Menschen gibt, die kein Interesse am Vergessen haben.

Die Oscarverleihung nach diesen zwei Filmen war wie immer überaus peinlich begleitet durch Pro7. Denkwürdige Fremdschäm-Augenblicke waren: Der Moderator verdrängt seine Kollegin von FOX und fuchtelt Jessica Alba penetrant mit dem Mikro vor der Nase rum, bis sie gezwungen ist, ihm zu antworten. Ruby Dee, nominiert für beste Nebendarstellerin im Film American Gangster, sagt vor laufender Kamera ungehalten zu ihrer Assistentin (?): „Give me a tissue“. Bekommt aber keins und fingert langsam und umständlich (sehr feinfühliger Kameramann übrigens) ein blutiges (?) Exemplar aus ihrem Täschchen, das sie noch langsamer und noch unauffälliger zu ihrer Nase führt. Der Moderator fragt einen Interviewpartner, wie er sich Notizen macht, „because I always forget, what I write down in the night“. Der Moderator nimmt Helen Mirren immer das Mikro vom Mund weg, wenn sie was sagen will (will aber eh keiner hören, was die zu sagen hat).
Die Verleihung selbst war gar nicht mal schlecht moderiert, von den auswendig gelernten Ansagen diverser Filmschönheiten und drei furchtbaren Musik-Performances aus Enchanted mal abgesehen.

Um sieben, als der Tag schon freundlich ins Kino grüßte, habe ich mir mit fünf Mitstreitern noch Sweeny Todd im Saal1 angesehen. Man darf es ruhig aussprechen: Johnny Depp + Tim Burton ist keine Garantie für einen guten Film. Echt nicht. Meine Begründung deckt sich, wenn auch nicht so fachmännisch mit der Rezension der fünf Filmfreunde. Keine Tiefe bei den Charakteren, schlechte Lieder, Story vernachlässigt. Aber schönes Setdesign.

Ich freu mich schon aufs nächste Jahr.

Ach ja: Der Titel stammt aus der Dankesrede von Marion Cotillard, die einen Oscar für ihre Rolle als Edith Piaf in La Môme bekommen hat.

Foto: Don.Lee

Kategorien: Uncategorized
Mit Tag(s) versehen: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,